Social Media für soziale Organisationen? Teil 1: Fünf Fragen an Greenpeace

Nicht lange labern, sondern direkt auf den Punkt kommen – so in etwa funktioniert ein „Mic-up“ bei salesforce.com. Ende September fand in London unser „Social Success Mic-Up“ statt. Thema: „What Can Businesses Learn From Charities and Their Use of Social Media to Impact Change?“

Einer unserer Gäste, der genau fünf Minuten Zeit hatte, fünf Fragen zu beantworten, war Sönke Lorenzen, Media Analyst bei Greenpeace International. Hier haben wir seine Antworten für Sie übersetzt:

»bad news are good news« war gestern: „social media moved us to focus more on happy/good news/solution stories“

1. Frage: Wie sehr verändern soziale Medien Ihre Organisation?

[…] In den traditionellen Medien, die nach dem Prinzip »bad news are good news« [wörtlich: „if it bleeds, it leads“] funktionieren, mussten wir mit düsteren Botschaften arbeiten. In den sozialen Medien konzentrieren wir uns dagegen auf positive News, schöne Geschichten und konkrete Lösungsvorschläge. Social Media lebt von positiven Geschichten. Zu Beginn dieser Entwicklung mussten wir darüber nachdenken, wie wir unsere Anliegen anders präsentieren können. Greenpeace spricht heute viel häufiger über gute Nachrichten und Lösungen als in der Vergangenheit, weil uns nun ein geeigneter Medienkanal zur Verfügung steht.

Anzahl von „Likes“ und „Shares“ ist nicht alles: „if you need to count likes and shares, we could stick to cute baby animal pics“

2. Frage: Auf welchem sozialen Kanal erreichen Sie das höchste Engagement?

Über Facebook, weil dort die meisten Menschen angemeldet sind, und das natürlich zum größten Engagement führt. Es gibt aber auch Beispiele, bei denen wir die meisten Aktivitäten auf Twitter feststellen. Manchmal finden Diskussionen auch nahezu ausschließlich auf Twitter statt. Zu einem gewissen Grad kann die Qualität der Posts auf Twitter höher sein – oft dann, wenn wir Fragen an die Community stellen.

Im Grunde genommen kommt es doch darauf an, was eigentlich mit Engagement genau gemeint ist. Wenn man lediglich die Anzahl von Likes und die geteilten Inhalte zählt, könnten wir auch ständig süße Tierbaby-Fotos posten und würden uns jedes Mal über ein hohes Engagement freuen. Viel Tiefe steckt darin aber nicht. Wir versuchen deshalb, von solchen Posts Abstand zu nehmen.

Vorbilder: „I Fucking Love Science“ und „Upworthy“

3. Frage: Welche Organisationen und Unternehmen beobachten Sie in Social Media? Und warum?

Wir suchen neue Taktiken statt neue Strategien. Es bringt uns mehr, wenn wir uns voll und ganz auf unsere Fans und Follower konzentrieren. „I Fucking Love Science“ fällt mir da ein, eine riesige Seite mit exzellentem Content. [Mehr Infos dazu in dem aktuellen „derStandard.at“-Bericht „‘I fucking love science‘ auf Facebook beliebt“.] Die nehmen wir uns oft zum Vorbild – ebenso wie die Sharing- und Schlagzeilen-Methoden von Upworthy. [Mehr über Upworthy, „die am schnellsten wachsende Website der Welt“, in einem aktuellen Bericht auf „meedia.de“.]

Aufmerksamkeit zu bekommen wird immer schwieriger: „creating awareness amidst a lot of noise on the web is actually becoming increasingly difficult“

4. Frage: Globales Bewusstsein ist durch die sozialen Medien stärker ausgeprägt als je zuvor. Was müssen Non-Profit-Organisationen tun, um ihre Botschaften zu vermitteln?

Da bin ich mir nicht sicher. Bewusstsein und Aufmerksamkeit inmitten des ganzen Lärms im Internet zu schaffen, wird in meinen Augen immer schwieriger. Eine Organisation sollte vertrauensvoll, authentisch, seriös und transparent agieren. Dann findet sie Gehör.

Trend: „episodic volunteering“

5. Frage: Was sind die Trends der Zukunft?

Es gibt Theorien, die besagen, dass das Engagement eher Episoden-Charakter hat bzw. bekommen wird. Den Leuten steht ein immer größeres Freizeit-Angebot zur Verfügung. Wir werden ganz sicher weniger Freiwillige für einen langfristigen Zeitraum bekommen. Jedoch wollen sich immer mehr für einen kurzfristigen Dienst melden – in der Literatur spricht man bereits von episodischer Freiwilligentätigkeit.

Andere Theorien sagen, dass Engagement interaktiver werden wird. Das liegt an den neuen Möglichkeiten der Online-Welt. Gleichgesinnte können sich im Web zusammenschließen und organisieren. Stichworte sind Crowdsourcing und Crowdfunding. Es entstehen neue Formen der Unterstützung. Komplexe Aufgaben können jetzt auch von der Masse bewältigt werden.