Bitte schnell: Internet of People!

Also ich muss Ihnen jetzt mal was sagen: Das mit dem „Internet of Customers“ – das ist ja alles schön und gut. Aber was, wenn man kein „customer“ ist – so wie ich heute Morgen in einem Bürgerbüro der Landeshauptstadt München, um einen neuen Personalausweis zu beantragen? Wenn Sie sich in einem Bürgerbüro befinden, sind sie nämlich kein Kunde, sondern eben nur Bürger, das heißt: hinten anstellen respektive Wartenummer ziehen und feststellen, dass über 60 Leute vor einem dran sind …

Leider war niemand da, dem ich eine Nummer hätte abkaufen können, was meines Erachtens ein bombiges Geschäftsmodell wäre. Also tat ich das, was alle taten, ich setzte mich hin und fügte mich in mein Schicksal, gebannt auf die Anzeige starrend, um ja nicht zu verpassen, wenn meine Nummer dort erscheint.

„Sind Sie Nummer 229?“

Doch das dauerte. Der Mann neben mir schwitzte stark, die Frau gegenüber aß einen Döner, ihr Kind daneben nieste in regelmäßigen Intervallen. Ich fühlte mich wie weichgekocht. Nach einer geschlagenen Stunde wurde meine Nummer angezeigt. Jetzt bloß nichts falsch machen! „Sind Sie Nummer 229?“, empfing mich der Schalterbeamte. Ich schluckte und nickte, wobei ich wortlos meinen alten Personalausweis sowie die biometrischen Fotos auf den Tisch legte. „Neuen Personalweis?“. Ich nickte erneut und hoffte inständig, dass er jetzt nicht sagte, dass ich ein anderes Bürgerbüro aufsuchen müsse.

„Das machen wir grundsätzlich nicht“

Doch ich durfte bleiben, was ich daran erkannte, dass der Mann auf seinen Bildschirm blickte und wild auf seine Tastatur einhackte. „Lesen Sie sich das mal durch, ob alles richtig ist“, forderte er mich auf, ein Stück Papier aus seinem Drucker ziehend. Langsam kam meine Stimme zurück: „Ja, alles korrekt.“ – „Dann hier unterschreiben – und dann schauen Sie mal hier, bei welchem Bürgerbüro Sie Ihren neuen Personalausweis abholen wollen. Hier geht das nämlich nicht“. Ich nahm all meinen Mut zusammen und fragte: „Ähm, kann der nicht zugeschickt werden?“ und beeilte mich ein „gegen Aufpreis“ hinterherzuschieben.  „Das machen wir grundsätzlich nicht!“ – hmpf.

„Die Daten, nicht die Bürger sollen laufen“ – von wegen!

Es gab da mal einen Bundeskanzler, der im Jahr 2000 gesagt haben soll: „Die Daten, nicht die Bürger sollen laufen“!?! Meine Erfahrung ist: Ich muss laufen – auch, um den Pass abzuholen! Doch wer Internet hat, ist hier zumindest  etwas im Vorteil: „Ham se Internet?“, fragte mich der Schalterbeamte abschließend. Als ich das bejahte, kam folgende Erläuterung: „Dann können Sie ja nachgucken, wann Ihr Pass fertig ist. Sie werden nämlich nicht benachrichtigt.“ – „Dankeschön, sehr freundlich.“

Mein persönliches Fazit nach dieser Erfahrung: Wenn ich als Kunde von einem Unternehmen schlecht behandelt werde, dann gehe ich halt zur Konkurrenz. Doch als Bürger habe ich keine Alternative.  Deshalb will ich das „Internet of Citizen“, ach was, am besten gleich das „Internet of People“ – und zwar flott!

PS: Bei unserer Salesforce 1 Tour am 3. Juli geht es zwar „nur“ um das Internet of Customers, aber vielleicht können Sie dort ja mal fragen, wie es mit dem Internet of People aussieht? ;-) Hier geht’s zur Anmeldung.

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