Nur Strohfeuer: Brandbriefe von CEOs

Seit ein paar Monaten gibt es einen neuen Trend in der internen Firmenkommunikation – vor allem in Konzernen und dem gehobenen Mittelstand: den Brandbrief vom CEO!

Hilfe, mir schwimmen die Felle davon!

Der Trigger ist zumeist gleich – der Vorstand, Geschäftsführer oder Managing Director war neulich irgendwo in der Nähe des Silicon Valley, traf einen, der inspirierenden West-Coast-Persönlichkeiten von Andreessen bis Zuckerberg und/oder hörte aufmerksam ihren Key-Notes oder TED-Talks zu. Dort ließ er sich infizieren vom "Vibe" und stellte fest: Heute, aber spätestens kommendes Jahr schwimmen ihm die Felle im Unternehmen davon. Bedeutet: Top- und Bottom-Line sind unter Beschuss durch Konkurrenten und beschleunigte Veränderungen in der (Tech-) Welt, die gestern so noch gar nicht existierten.

Hallo an alle!

Zurück in heimatlichen Gefilden wendet er oder sie sich an die mehrere tausend Mitarbeiter zählende Belegschaft – mit einem Brandbrief. Meistens mit inhaltsschweren Worten wie "Zukunft unserer Industrie", "digitale Transformation", "drastische Veränderung", "inkrementelle versus disruptive Innovation". All das von der Hoffnung getrieben, spontan und kreativ ein neues, zukunftssicheres Geschäftsmodell zu entdecken.

Kein Feedback auf Feedback – da sinkt die Stimmung auf den Gefrierpunkt

Die Mitarbeiter werden aufgefordert, aktiv mitzuarbeiten und Ideen einzubringen, und dann passiert – NICHTS. Mitarbeiter senden E-Mails mit guten Ideen ans "Office of the CEO", ohne dass eine Reaktion von dort kommt, sie posten ihre Ideen auf internen Pinnwänden, worauf sie ebenfalls kein Feedback erhalten. Weder das Vorstandsbüro noch die gesamte Organisation sind auf so ein Feedback eingestellt, ganz zu schweigen davon, daraus Aktivitäten abzuleiten.

Zudem führt die Feedbacklosigkeit zu einer weiteren Demoralisierung der Belegschaft und die bereits mäßige Unternehmenskultur, die geprägt ist von Stagnation und, tolles Wort, „Negativ-Wachstum“, wird noch miserabler

Eine Innovationskultur bedarf eines durchdachten Gesamtkonzeptes und auch die Abkürzung über das Aufbauen eines Inkubators ist nicht zielführend, wie bereits einige große Player schmerzhaft und teuer feststellen mussten. Und Schnellschüsse „a la Brandbrief“ zeigen sowieso eher die Hilflosigkeit der Geschäftsführung.

Überall dort sein, wo der Kunde ist

Wirklich innovative Unternehmen stellen nicht die Innovation als solche in den Vordergrund, sondern den Kundennutzen – immer. Sie begreifen damit Innovation eher als „Abfallprodukt“.

Doch wann ist eine Organisation kundenorientiert? Dann, wenn sie in der Lage ist, die gesamte "Customer Journey" nahtlos zu begleiten. Das heißt überall dort zu sein, wo der Kunde ist – den Kunden also auf allen Kanälen zu erreichen. Wer es schafft, seinen Kunden dort abzuholen, wo immer er sich gerade befindet,  ist automatisch gezwungen, extrem schnell auf Veränderungen zu reagieren und damit innovativ zu sein.

Weg mit den Silos! Vertrieb, Service, Marketing & Co. – bitte zusammenarbeiten!

Mehrwerte für Kunden zu schaffen ist das Nonplusultra der Innovation, und das ist mehr als nur ein tolles Produkt zu entwickeln. Die Silo-lose Zusammenarbeit von Vertrieb, Service, Marketing, Operations und anderen Kernbereichen ist dabei der Schlüssel für das Kreieren einer Innovationskultur und macht Brandbriefe über den wenig innovativen E-Mail-Kanal überflüssig.

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