Vor ein paar Jahren legte der plastische Chirurg Dr. Horst Schuster sein Skalpell aus der Hand und tauschte den OP-Saal mit einem Schreibtisch beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) in der Berliner Reinhardtstraße. Von hier aus sind es nur ein paar Schritte zum Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der in Deutschland das oberste Selbstverwaltungsgremium der Kassen, Krankenhäuser und Ärzteschaft ist. Derzeit ist Elektronische Datenerfassung und -nutzung dort ein heiß diskutiertes Thema: „Im G-BA stellen wir uns gemeinsam der Herausforderung, wie wir in Deutschland angesichts der demografischen Entwicklung und der damit verbundenen Gesundheitskosten auch in Zukunft eine hohe medizinische Versorgungsqualität für alle Versicherten gewährleisten können. Digitale Technologien sind in diesem Kontext absolut essenziell“, sagt der GKV-Referent. Als Beispiel nennt er die elektronische Gesundheitskarte. Denn damit könnte es trotz unterschiedlicher Abrechnungssysteme für Kliniken und Praxen gelingen, eine Patienten-individuelle Qualitätssicherung auf der Basis reeller Befunde und Abrechnungsdaten über den ambulanten und stationären Sektor hinweg auf die Beine zu stellen. Und gleichzeitig Ärzte und Pflegepersonal von Bürokratie zu entlasten. Im Kontext des hochentwickelten deutschen Gesundheitswesens sind hier vorrangig politisch und juristisch noch weitere Voraussetzungen zu schaffen.

Datennutzung beschäftigt Horst Schuster aber nicht nur im Hauptberuf, sondern auch in seiner Freizeit: So spannend die Sitzungen im G-BA sind – die Sehnsucht nach der unmittelbaren Arbeit mit Patienten hat den ehemaligen Chirurgen nicht losgelassen. Deshalb engagiert er sich im Berliner Team des gemeinnützigen Vereins INTERPLAST Germany e.V. , einer Hilfsorganisation, die bedürftigen Patienten in Entwicklungsländern plastisch-chirurgische Operationen ermöglicht. „Bei plastischer Chirurgie denken die meisten hierzulande an kosmetische Eingriffe – an Wohlhabende, die ihr Äußeres verbessern wollen. INTERPLAST jedoch arbeitet in der Dritten Welt und will dort Unfallopfern und Menschen mit Fehlbildungen, die sich selbst keine Operation leisten können, zu neuer Lebensqualität verhelfen. Und dies sowohl in gesundheitlicher wie auch in sozialer Hinsicht“, umreißt Horst Schuster die Mission von INTERPLAST.

Hohe Kunst der Improvisation

Gemeinsam mit einem Team von Schwestern und Fachärzten für Plastische Chirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie Anästhesie  reist er einmal jährlich für 14 Tage nach Paraguay. Dort operiert das INTERPLAST-Team aus Berlin zwei Wochen lang zwischen 60 und 80 Patienten. Als improvisierte Klinik dient ihnen ein einfaches altes Gebäude in Ciudad del Este im Osten des Landes nahe der im Osten des Landes nahe der Grenze zu Brasilien und Argentinien. Die Räume werden für den INTERPLAST-Einsatz gemeinsam mit von einheimischen Partnern buchstäblich über Nacht behelfsmäßig zu OP-Sälen umfunktioniert. „Diese so wichtige Hilfe ist nur durch die Unterstützung zahlreicher Initiativen wie zum Beispiel Salesforce.org möglich, die unser Projekt seit Jahren wesentlich fördern”, sagt Schuster.

Ein vernetztes Klinikinformationssystem, wie es in jedem deutschen Krankenhaus zum Standard gehört, gibt es in Ciudad del Este ebenso wenig wie viele unentbehrliche OP-Materialen. Trotzdem spielt die Technik eine wichtige Rolle. „Deshalb haben wir bei unseren Einsätzen stets auch Operationsbesteck, Narkosemittel und natürlich unsere Laptops im Gepäck“, berichtet Horst Schuster. Denn mit einer computergestützten Patientenverwaltung sindeine effiziente Operationsplanung und die notwendige Ergebnisdokumentation deutlich einfacher. „Anders jedoch als mobile Geräte in vielen deutschen Kliniken greifen unsere Laptops in Ciudad del Este nicht auf einen zentralen Server zu, sondern auf eine Patientenmanagementsoftware in der Cloud. Sie begleitet uns sozusagen überallhin. So wird es möglich den organisatorischen Aufwand zu Gunsten der eigentlichen Operationstätigkeit auf einen vertretbaren Aufwand zu begrenzen“, sagt der Chirurg und erklärt damit zugleich, inwiefern digitale Lösungen die Arbeit des Ärzteteams effektiv unterstützen: „Der mobile Zugriff auf die elektronische Patientenakte hält uns den Rücken frei für unsere originäre Arbeit mit den Patienten.“

OPs, die ein neues Leben schenken

Das gilt umso mehr, als die Lösung inzwischen durch eine neue, ebenso einfache wie wirkungsvolle Komponente zur Bilddatenverwaltung erweitert wurde. Denn vor, während und nach der Operation werden Patienten – zum Beispiel ein Kind mit angeborener Kiefergaumenspalte – fotografiert, um die OP-Ergebnisse bewerten und eine optimale Nachsorge gewährleisten zu können. „Bislang war die nachträgliche Zuordnung all der Fotos zu den betreffenden Patienten allerdings eine langwierige und zeitraubende Angelegenheit“, erinnert sich Horst Schuster. Heute hingegen wird vor jedem Patienten einfach ein individueller QR-Code mit fotografiert. Der Code entspricht der jeweiligen Patientenstammnummer; er wird von der Software selbständig aus der Bilddatei ausgelesen und erkannt und sorgt damit automatisch für die richtige Zuordnung der nachfolgend aufgenommenen Bilder zu den entsprechenden Patientendateien. Wieder ein kleiner Lösungsbaustein, der dem Interplast-Team mehr Zeit und Energie für seine eigentliche Operationstätigkeit übriglässt. Wer einmal den fotografischen Vorher-Nachher-Vergleich bei dem besagten Kind mit der Kiefergaumenspalte gesehen hat, findet den Ausdruck, dass eine Operation neues Leben schenken kann, nicht mehr zu hochgegriffen.

Kann das Berliner Interplast-Team noch stärker von der Digitalisierung profitieren? Horst Schuster hat jedenfalls noch einige Ideen, wie die Arbeit des gemeinnützigen Vereins noch besser laufen könnte. Zum Beispiel beim Thema Finanzierung: Interplast wird durch Spenden getragen. Wenn auch die Akquise von Spenden und die Ausstellung von Spendenquittungen durch die Software unterstützt würden, könnten die Ehrenamtlichen wesentlich mehr Zeit in die eigentliche Aufgabe des Vereins investieren.

Wer glaubt, Horst Schuster sei als GKV-Referent und Organisator von Hilfseinsätzen vollständig ausgelastet, irrt: In seiner Freizeit ist er Künstler – mit Ausstellungen unter anderem im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie.  Ersichtlich sind viele seiner oft großformatigen und farbintensiven Bilder von Eindrücken aus Südamerika inspiriert. Vielleicht ist die Malerei für ihn das einzige Tätigkeitsfeld, bei dem er nicht an neue Möglichkeiten der Digitalisierung denkt.

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