Ein Highlight im bewegten Alltag von Gabriele Schwarz ist stets der Moment, wenn einer ihrer Kunden, zumeist die Frau des Hauses, zum ersten Mal den Lichtschalter in ihrem neu elektrifizierten Haus betätigt. „Da fließen Freudentränen“, begeistert sich die Leiterin des Social Business Bonergie. Denn ihre Kunden sind ausschließlich Bewohner entlegener Dörfer im Senegal. Und was für Menschen in der westlichen Welt eine Selbstverständlichkeit ist, nämlich elektrisches Licht und Strom, ist für die meisten dort ein fast unerreichbarer Traum. „Dabei ist Strom die Grundlage für die Lösung vieler Probleme von Entwicklungsländern wie dem Senegal“, erklärt Gabriele Schwarz. Um dazu beizutragen, betreibt sie dort das Social Business Bonergie.

Nach einer erfolgreichen Karriere in der IT-Branche wollte Gabriele Schwarz ihre Energie in Aufgaben lenken, die einen Sinn ergeben und die Gesellschaft zum Besseren verändern sollten. Die Idee zu ihrem Social Business kam ihr nach der Lektüre des Werks von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, der als Wegbereiter dieses Konzepts gilt. Die Zielsetzung eines Social Business ist die Lösung sozialer und gesellschaftlicher Probleme. Gewinne stehen im Hintergrund. Werden sie erwirtschaftet, fließen sie vollständig in den Ausbau des Social Business, um die Wirksamkeit zu erhöhen. „Das war wie eine Erleuchtung – ich fand ein Konzept, mit dem ich helfen konnte und weiterhin Unternehmerin sein durfte“, so Gabriele Schwarz.

Die Sonne: Unerschöpfliche Energiequelle

Durch ihre häufigen Reisen nach Afrika wusste sie, dass die Armut und mangelhafte Gesundheitsversorgung zum Großteil auf das Fehlen von Strom zurückzuführen waren. „Woran es im Senegal hingegen wahrlich nicht mangelt, ist Sonnenschein.“ So entstand die Idee für den Vertrieb von Solarprodukten in Regionen, die wohl niemals mit Stromtrassen des staatseigenen Energiekonzerns erschlossen würden. „Der Name flog mir dann bei einer Veranstaltung während einer Rede von Muhammad Yunus regelrecht zu: Bonergie – gute Energie“, erinnert sich Gabriele Schwarz.

Als Vollblut-Unternehmerin war Gabriele Schwarz stets davon überzeugt, dass Menschen befähigt werden müssen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. „Richtig arm sind die meisten Menschen auch im Senegal nicht“, berichtet Schwarz. „Jeder hat sein Auskommen, ob als Handwerker, Landwirt oder Lehrer. Nur haben eben die wenigsten Strom.“ Gabriele Schwarz und weitere so genannte Impact Investoren engagierten sich daher  finanziell bei Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Solarsystemen verschiedener Art: von einfachen Solarlampen über solarbetriebene Kühlschränke und Wasserpumpen bis hin zu vollständigen Solar-Home-Systemen, die ein oder mehrere Häuser mit Solarstrom versorgen können.

Telefonischer Kundensupport dank Mobiler Technologie

„Natürlich sind die Produkte auch bei enger Kalkulation nicht billig. Die Investition von umgerechnet rund 1.000 Euro in ein Solar-Home-System dort ist vergleichbar mit dem Kauf eines Neuwagens für einen durchschnittlichen Angestellten in Deutschland“, rechnet Gabriele Schwarz vor. „Deshalb war schnell klar, dass wir den Menschen die Möglichkeit einer Ratenzahlung anbieten müssen, damit sie sich das leisten können.“

Bei der komplexen Aufgabe, die Zahlungspläne und generell die Kundendaten effizient zu verwalten, wird sie durch die Salesforce.org (siehe Kasten) unterstützt. „Aber das Beste daran ist: Mithilfe der Cloud haben wir ein innovatives Servicemodell entwickelt, das uns die enge Betreuung unserer weit verstreuten Kunden in den Dörfern erlaubt.“ Bonergie liefert nämlich im Herbst die neue Generation seiner Solar-Home-Systeme mit GSM-Modul aus. Damit können die Techniker bei Anruf aus der Ferne feststellen, an welcher Stelle das Produkt einen Fehler meldet und ihn per Telefon beheben. „Zumeist ist es ein Userfehler“, erklärt Gabriele Schwarz. „Früher musste ein Techniker eine Tagesreise auf sich nehmen, nur um vor Ort festzustellen, dass ein Kabel locker ist. Jetzt kann er sich das ersparen. Wir erhöhen unsere Effizienz und erweitern dadurch auch unsere Handlungsmöglichkeiten.“

Mobile First – Standard in Afrika

Obwohl es an der Stromversorgung hapert, besitzt statistisch fast jeder Senegalese ein Handy. Das Mobilfunknetz ist bis ins Hinterland gut ausgebaut. Zwar haben die Menschen auf dem Land kein Smartphone und müssen für Internetnutzung ein Café aufsuchen, aber sie sind mobil in Verbindung. Auch die Bezahlung über das Handy ist in Afrika im Gegensatz zu Europa weit fortgeschritten – anstatt eines klassischen Bankkontos nutzen die Menschen ihre Handys für Geldgeschäfte. „Ich selbst reise immer mit einem mobilen Router und kann, wo auch immer ich bin, mein Geschäft führen“, so Gabriele Schwarz.

Bonergie boomt: Bereits vier Vertriebsbüros gibt es im Senegal, inzwischen wurde aus weiteren afrikanischen Ländern wie Kenia hohes Interesse an den Produkten und dem Geschäftsmodell von Bonergie bekundet. Auch die Zahl der Erfolgsgeschichten der bestehenden Bonergie-Kunden steigt täglich. Wie aus einem Solar-Kühlschrank im Wohnzimmer ein florierender Einzelhandel mit Internet-Café wurde. Wie die Dorfschneiderin in den Abendstunden mehr Kunden bedient und anderen Frauen dadurch Arbeit geben kann. Wie in der Geburtsstation nun auch tief in der Nacht brenzlige Situationen doch noch ein glückliches Ende finden. Und all das allein aus der Kraft der Menschen heraus. „Man darf nicht unterschätzen, wie hoch die Wirkung ist, wenn sich die Menschen dort als ‚König Kunde’ und nicht als Empfänger von milden Gaben fühlen können“, so Gabriele Schwarz. Und mit dem Erfolg von Bonergie und seinen Kunden wächst gleichzeitig dessen Schlagkraft, und es entsteht eine wunderbare Kettenreaktion: mehr Produktivität, mehr Mobilität, mehr Einkommen, bessere Lebensbedingungen.

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