Von der Büroausstattung, über Entwicklung und Marketing bis hin zur Vorfinanzierung von Kundenprojekten: Wer ein Unternehmen gründet, muss Geld in die Hand nehmen. Je nach Art und Phase des Unternehmens reicht dafür das vorhandene Eigenkapital oder es muss Fremdkapital herangezogen werden. Welche Finanzierungsmöglichkeiten es für junge Unternehmen gibt und welche Fehltritte lauern, erfahren Sie in diesem Artikel.

Die Unternehmensfinanzierung ist ein ebenso wichtiges wie heikles Thema für alle, die erfolgreich gründen möchten. Wichtig, weil Unternehmer vieles richtig machen müssen. Und heikel, weil sie auch vieles falsch machen können. Bei den Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen gilt es beispielsweise, die passende Art der Finanzierung je nach Unternehmensphase zu wählen. Zudem gibt es viele Fallen, die später die Existenz Ihres Unternehmens bedrohen könnten. Wir fassen zusammen und klären auf.

Aus eigener Tasche oder mit externer Hilfe

Eine wichtige Frage bei der Unternehmensfinanzierung ist das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Fremdkapital. Ist es überhaupt nötig, auf Fremdkapital zurückzugreifen? Wer die Möglichkeit hat, sollte auf externe Hilfe verzichten – auch, wenn es zuweilen etwas länger dauern kann, bis das nötige Ersparte für die geplante Unternehmensgründung ausreicht. Ein etabliertes Modell gibt vor, dass der Anteil des Fremdkapitals die 60-Prozent-Marke nicht überschreiten sollte.

Wie das Verhältnis von eigen- und fremdfinanzierten Startups in Deutschland aussieht, dazu gehen die Untersuchungsergebnisse auseinander. Laut KfW Gründungsmonitor sind zwei von drei Unternehmensgründungen selbstfinanziert, glaubt man dem Gründermagazin StartingUp, sind es sogar 90 Prozent. Diese hohe Diskrepanz lässt vermuten, dass unterschiedliche Definitionen für die abweichenden Zahlen verantwortlich sind.

Aus einer aktuellen Befragung von Jigsaw Research im Auftrag von Salesforce geht hervor, „dass die Anfangsfinanzierung der deutschen Start-ups überwiegend aus persönlichen Ersparnissen (52%) sowie mit Bankkrediten (23%) und der Unterstützung von Familie und Freunden (22%) bestritten wird“. Diese und weitere interessante Ergebnisse stellt Salesforce in einem kostenlosen Whitepaper zur Verfügung.

Die Unternehmensphase bestimmt das Finanzierungsmodell

Sie schreiben gerade Ihren Businessplan und zerbrechen sich den Kopf darüber, wie und wo Sie das nötige Startkapital auftreiben können? Oder haben Sie mit Ihrem Unternehmen bereits erste Aufträge erfolgreich abgewickelt und benötigen eine kleine Finanzspritze, um weitere Schritte gehen zu können? Die Unternehmensphase bestimmt in hohem Maße, wie Sie bei der Finanzierung vorgehen sollten.

Insbesondere vor der Gründung, wenn Ihr Unternehmen zunächst nur theoretisch auf dem Papier existiert und es noch keine Unternehmenshistorie gibt, tauchen gewisse Herausforderungen auf. Denn diese Situation wirkt sich negativ auf Ihr Rating bei Banken aus, das nicht nur über die Gewährung eines Kredits entscheidet, sondern auch Einfluss auf Konditionen und Laufzeit hat. Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass sich Zinszahlungen und Tilgung besonders in der Startphase auf Ihre Liquidität auswirken.

Wenn es um Finanzierungsmodelle nach der Gründung (Wachstumsphase) geht, sieht das Ganze schon etwas anders aus. Idealerweise erwirtschaften Sie schon die ersten Überschüsse, sodass Zinsen und Tilgung nicht mehr so stark ins Gewicht fallen. Auch die Chance auf eine Kreditzusage steigt immens, wenn bereits erfolgreich abgewickelte Geschäfte nachgewiesen werden können.

Ist die Frage nach dem Bedarf an Kapital geklärt, stehen Gründern und Unternehmern in der frühen Phase eine Vielzahl von Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Wählen Sie weise: Die Arten der Fremdfinanzierung

Die beste Finanzierungsmöglichkeit für junge Unternehmen gibt es nicht. Dies gilt zumindest für die externe Unternehmensfinanzierung, denn die Selbstfinanzierung steht unangefochten auf Platz Eins. So gilt es, bei der Wahl des Geldgebers individuell zu entscheiden und Vor- und Nachteile sorgfältig abzuwägen. Hier einige klassische Finanzierungsmöglichkeiten:

Familie und Freunde

Auf den ersten Blick ist dies wohl die zweitbeste Option. Doch was, wenn Freundschaften daran zerbrechen oder die eigenen Eltern eine Rückzahlung des gesamten Betrags innerhalb von wenigen Monaten fordern?

Klassischer Bankkredit

Ein Kredit bei einer Bank liegt nahe, sollte aber aufgrund des hohen Kostenfaktors und der großen Ablehnungswahrscheinlichkeit für Startups nicht die erste Wahl sein.

Förderungen und Zuschüsse

Förderkredite, beispielsweise von der KfW-Bank, sind aufgrund niedrigerer Zinssätze und einer tilgungsfreien Zeit in der Startphase eine gute Alternative zum klassischen Bankkredit. Zudem gibt es von der Agentur für Arbeit den Gründungszuschuss, sofern Sie aus der Arbeitslosigkeit heraus in die Selbstständigkeit starten.

Inkubatoren und Venture Capital

Ob Sie auf die Beratungs- und Finanzierungsleistung einer Institution (Inkubator) oder die Kapitalinvestition einer Beteiligungsgesellschaft (Venture Capital) zurückgreifen: Es handelt sich um Eigenkapitalerhöhungen, bei denen Unternehmensanteile abgegeben werden.

Peer-to-Peer-Lending

Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Privatkredit. Häufig sehen bereits erfolgreiche Gründer das Potential in jungen Startups und sind bereit, solch einen Kredit bereitzustellen.

Crowdfunding

Ein relativ neuartiges Modell, das sich aber längst etabliert hat: Crowdfunding basiert auf der hohen Anzahl an Geldgebern, die als Dankeschön eine Gegenleistung (meist in Form des eigenen Produktes) erhalten.

Kunden oder Geschäftspartner

Überzeugen Sie potenzielle Geschäftspartner oder bestehende Kunden, in Ihre Geschäftsidee zu investieren.

Alternativen mit Potenzial

Wer sagt eigentlich, dass Unterstützung nur monetärer Natur sein muss? Eine gute Möglichkeit, Kosten in der Startphase und darüber hinaus zu sparen, ist der Austausch von Leistungen. Ein Beispiel dafür ist etwa das TFP-Prinzip (Time For Prints), das ursprünglich aus der Fotografie stammt und sich mittlerweile in der gesamten Kreativbranche etabliert hat. Dabei ging es im Kern darum, dass Fotomodelle sich den Fotografen kostenfrei zur Verfügung stellen und im Gegenzug die Abzüge der Fotos erhalten.

Wenn Sie auf finanzielle Hilfe angewiesen sind und gleichzeitig von der Erfahrung und Expertise eines erfolgreichen Entrepreneurs profitieren möchten, dann ist das Business-Angel-Modell vielleicht eine Alternative für Sie. Business Angels gehen allerdings immer ein gewisses Risiko ein, wenn sie sich entscheiden, ein Startup unter ihre Fittiche zu nehmen. Geben Sie dieses Vertrauen zurück, indem Sie transparent kommunizieren und für kontinuierliches Wachstum sorgen.

Auch die Teilnahme an Wettbewerben kann eine gute Möglichkeit darstellen, um Preisgelder zu gewinnen und zudem Aufmerksamkeit für Ihre Idee zu erzeugen. Die Gewinne bei speziellen Gründer-Contests sind oft hoch dotiert, erfordern aber natürlich auch ein wenig Glück.

Klassische Fehltritte vermeiden

Für fast alle oben genannten Unterstützungen bedarf es eines ausgereiften Geschäftsplans und der korrekten Einschätzung des Kapitalbedarfs. Viele Gründer scheitern bereits an dieser Stelle.

Einem weiteren Fehltritt bei der Unternehmensfinanzierung wirken Sie mit dem Lesen dieses Artikels bereits ein Stück weit entgegen. Denn viele Gründer informieren sich nicht ausreichend über die Finanzierungsmöglichkeiten, nutzen damit nicht das gesamte Potenzial und zahlen am Ende drauf. Sie sollten stets alle Eventualitäten und Optionen im Blick haben, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein und das Maximum an Möglichkeiten auszuschöpfen.

Ein weiterer kritischer Punkt ist oft die mangelnde Selbsteinschätzung. Es nützt rein gar nichts, etwas schönzureden, denn das holt Sie als Gründer früher oder später definitiv ein. Seien Sie stets realistisch und ehrlich zu sich selbst.

Ist die Finanzierung in trockenen Tüchern, können Sie weitere Schritte gehen. Nachdem Sie Geldgeber überzeugt haben, gilt es, Kunden für sich zu gewinnen.

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