Reisen erweitert den Horizont, eröffnet neue Perspektiven und erlaubt Begegnungen, die zuhause nie möglich gewesen wären. Vermutlich würde die größte deutsche Spendenplattform betterplace.org in ihrer heutigen Form nicht existieren, hätte das Gründerehepaar Prof. Stephan Breidenbach und Joana Breidenbach 2006 nicht mit seinen beiden Kindern die Welt bereist. Rund um den Globus trafen sie faszinierende Menschen, denen in ihrer Heimat nicht
die gleichen Möglichkeiten zur Verfügung standen wie in westlichen Ländern. Oftmals fehlten nur Kleinigkeiten dazu, um mit – für unsere Verhältnisse – wenig Geld und Aufwand deren Leben zu verbessern. Woran es definitiv mangelte war, von denen gehört und gesehen zu werden, die helfen könnten.

Nur etwas mehr als zehn Jahre später weist die Non-Profit-Organisation betterplace.org eine beeindruckende Bilanz auf: Seit 2007 wurde ein Spendenvolumen von rund 44 Millionen Euro erreicht, über 22.000 Projekte in aller Welt präsentieren sich dort potenziellen Unterstützern. Zwischen der Weltreise der Breidenbachs und dem heutigen Erfolg lag ein Jahrzehnt, das von vielen glücklichen Momenten, aber auch von teils unerwarteten Herausforderungen geprägt war. Zu den glücklichen Augenblicken zählt die Begegnung mit Mitgründer Till Behnke, der nach seinem Studium in Südafrika, wo er ehrenamtlich in Townships beim Hausbau half, verzweifelt nach einem Weg suchte, sein Projekt weiterhin unterstützen und vor allem verfolgen zu können. Aus zwei verschiedenen Perspektiven, nämlich aus der Sicht der Breidenbachs, den vielen vor der Weltöffentlichkeit verborgenen Projekten Gesicht und Stimme zu geben, und Till Behnkes eigentlich sehr persönlichem Bedürfnis, die Entwicklung des Projekts, für das er sich lange engagiert hatte, weiterhin verfolgen und unterstützen zu können, wurde ein gemeinsames Ziel – und inzwischen eine unschätzbare Hilfe für soziale Projekte in aller Herren Länder.

Skepsis überwinden

„Die Grundidee stand im Grundsatz recht schnell: Wir wollten eine Internet-Plattform entwickeln, nicht um Bücher zu verkaufen und Freunde zu finden, sondern um Hilfsprojekte rund um den Globus sichtbar zu machen und zu unterstützen“, erklärt Björn Lampe, Vorstand und Leiter NGO Kooperationen bei betterplace.org. „Nur war die Umsetzung tatsächlich Neuland. Es gab zwar in den USA und Deutschland ähnlich gelagerte Projekte, aber keines, das die Aufgabe so umfassend anging.“ Für das Gelingen waren drei wesentliche Zielgruppen zu gewinnen: Hilfsorganisationen, die sich präsentieren, Spender, die Zeit und Geld geben, sowie Unternehmen, die unterstützen und fördern würden. Die größte Skepsis schlug dem Gründungsteam vonseiten der Hilfsorganisationen entgegen. Und das hatte mehrere Gründe. „Damit die Plattform überhaupt ihren Zweck erfüllen kann, mussten wir zunächst Organisationen finden, die dieses Experiment mit uns wagen wollten“, so Björn Lampe. „Glücklicherweise konnten mit CARE und Habitat for Humanity zwei renommierte Organisationen gewonnen werden, die uns als Zugpferde dienten.“

Gleichzeitig drohte eine der Stärken der Plattform zum Showstopper zu werden.
Denn die Idee von betterplace.org ist, Spendern gegenüber eine maximale Transparenz zu erreichen. Hilfsprojekte müssen sich auf der Plattform darstellen, erklären wie sie arbeiten, was konkret mit den Spenden geschieht und sich auch den direkten Fragen der Spender stellen. „Das war völlig neu. Vor allem die Auseinandersetzung mit dem Internet und diese Art der Kommunikation war für viele ungewohnt. Insbesondere der Umstand, dass Spendern durch die Plattform eine gewisse Mitsprache ermöglicht wurde, sie die Organisationen bewerten konnten, machte einigen Angst.“ Auch fühlten manche sich einem gewissen Konkurrenzdruck ausgesetzt, weil sich dort etliche Hilfsprojekte gleichberechtigt nebeneinander präsentieren. „Dabei haben wir uns von Anfang an als Partner gesehen und tun dies heute mehr denn je“, erklärt Lampe.

Inzwischen können Menschen aus über 22.000 weltweiten Projekten verschiedenster Art wählen, die sie mit Geldspenden und ihrer Zeit unterstützen können. Von der zunächst eher skeptisch betrachteten hohen Transparenz auf betterplace.org profitieren die NGOs in höchstem Maße. „Viele Spender nahmen die Möglichkeit zum Anlass, die Projekte vor Ort zu besuchen und ihre Berichte auf die Plattform zu stellen. So kann die gute Arbeit von NGOs unabhängig dokumentiert werden.“ In diesem Sinne haben die Technologie und die Chancen des Internets die alten Verhaltensweisen und Denkmuster im gemeinnützigen Bereich und bei der Spendensammlung aufgebrochen. Und vor allem Austausch und Vernetzung kleinster Projekte gefördert, die ihre wichtige Arbeit nun noch wirksamer leisten können.

„Think and Do Tank“ betterplace lab

Vor allem Gründerin Joana Breidenbach war es von Anfang an ein Anliegen, mit betterplace.org weit mehr als eine reine Transaktionsplattform bereitzustellen. Deshalb hat sie schon zu einem frühen Zeitpunkt das betterplace lab ins Leben gerufen. Das Ziel war und ist, damit stärker operativ aktiv zu sein, Themen zu vertiefen und zu diskutieren, für die die ursprüngliche Plattform neben dem „Tagesgeschäft“ nicht den notwendigen Raum bot. „betterplace lab hat den Anspruch, ein Think UND Do Tank zu sein“, erläutert Lampe. „Entscheidend ist das Do. Aus der Schnittstelle zwischen digital und sozial ist der betterplace lab trendradar entstanden. Über 700 Trends weltweit, das heißt Projekte und Lösungsansätze, haben wir mittlerweile gesammelt, mit dem Ziel, eine Vernetzung sozialer Projekte in aller Welt zu unterstützen, um nicht jedes Mal das Rad neu zu erfinden. Denn eine Idee, die in Südamerika bereits erfolgreich umgesetzt wurde, kann ebenso in Afrika funktionieren.“ So lässt sich der Erfolg beschleunigen und durch die Nutzung von Synergien eine hohe Wirkung mit weniger Zeit und Geld erreichen.

Eines der Projekte aus dem betterplace lab trendradar beschäftigt sich beispielsweise mit dem Einsatz von Drohnen für humanitäre Zwecke. „Während Drohnen in der Wahrnehmung der meisten schlimmstenfalls mit Krieg, bestenfalls mit Paketzustellung assoziiert werden, liegt der humanitäre Einsatz in verschiedensten Facetten nahe, von Löscheinsätzen bis hin zum Transport von Hilfsmitteln“, berichtet Lampe. „So entstand zum Beispiel die Idee, 3D-Drucker mittels Drohnen in schwer zugängliche Gebiete zu entsenden, um vor Ort medizinisches Gerät herstellen zu können.“ Ideen wie diese belegen eindrucksvoll, dass durch die Neubetrachtung von Bestehendem und durch das Einnehmen einer neuen Perspektive völlig neue innovative Lösungen entstehen können.

Und auch wenn bis heute bereits viel erreicht wurde, ist die Mission von betterplace.org noch lange nicht erfüllt. Wenngleich nicht jedes angefangene Projekt zum Erfolg führt – so erwies sich die Abwicklung von Sachspenden als problematisch, weil sich das verhältnismäßig kleine Berliner Büro mit gut gemeinten Möbelspenden, ausgeladen direkt vor der Eingangstür, konfrontiert sah – zeichnet sich das Team durch Optimismus und Durchhaltevermögen aus. „Ein Herzensanliegen ist, eine größere Internationalität zu erreichen und unsere Technologie auch in anderen Ländern nutzbar zu machen. Doch allein die regulatorischen und gesetzgeberischen Unterschiede im Gemeinnützigkeitsrecht stellen uns vor große Herausforderungen“, erklärt Björn Lampe. „Aber wir geben nicht auf. Im Gegensatz zu den Sachspenden betrachten wir dieses Ziel noch lange nicht als gescheitert.“ 

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