Wie beeinflusst die digitale Disruption Ihre Karriere?

Neue Erkenntnisse der The Economist Intelligence Unit zeigen die Fähigkeiten und den Erfahrungsschatz auf, die Führungskräfte von morgen für den Erfolg brauchen

Die Wirkung der digitalen Disruption auf Unternehmen hat sich noch nicht komplett entfaltet, doch schenken viele Unternehmen diesem Thema bereits große Beachtung. Dass sich ihr Unternehmen bisher erfolgreich der digitalen Disruption angepasst hat, glauben in diesem Zusammenhang 68 % der Führungskräfte deutscher Unternehmen.

Weniger bekannt hingegen ist, wie sich diese digitale Disruption auf die berufliche Laufbahn der einzelnen Führungspersonen auswirken wird. Neue Forschungsergebnisse von der The Economist Intelligence Unit, gesponsert von Salesforce, können hierbei einige Fragen beantworten.

Basierend auf einer Umfrage unter westeuropäischen Führungs- und Leitungskräften in den Bereichen Verkauf, IT, Marketing und Kundenservice sowie auf Tiefeninterviews zeigt die Studie, dass die durch die digitale Disruption auftretende Vermengung von Unternehmensfunktionen die früher deutlichen Karrierewege zu beruflichem Erfolg und Führungspositionen verwischt.

Weiterhin deutet sie darauf hin, dass jene, die in diesem neuen Umfeld aufblühen, sich die verwischten Grenzen zunutze machen werden, um ihren Erfahrungsschatz zu erweitern, Netzwerke auf- und auszubauen und ihr Talent für funktionsübergreifende Führungsaufgaben zu fördern.

Enge Zusammenarbeit ist ein Muss

Klar definierte Funktionssilos zeigen seit vielen Jahren ehrgeizigen Mitarbeitern unmissverständlich den Weg an die Spitze: Um beispielsweise Marketingleiter zu werden, musste man sich auf die technischen, betrieblichen und strategischen Fähigkeiten des Marketings spezialisieren.

In diesem Zeitalter der digitalen Disruption – für unsere Zwecke definiert als „durch das Aufkommen neuer digitaler Technologie und der Geschäftsmodelle, die sie ermöglicht, hervorgerufener Wandel“ – sind diese Silos jedoch eine Belastung.

Erstens verlangt das Tempo der Innovation schnelle und ständige Zusammenarbeit, was wiederum eng zusammenarbeitende, funktionsübergreifende Teams erfordert. Zweitens verläuft die Trennlinie zwischen Marketing, Verkauf, Kundenservice und IT lange nicht mehr so deutlich wie früher, da heutzutage die Kundenbeziehungen hauptsächlich über digitale Kanäle gepflegt werden.

„Das gesamte Konzept der Siloarbeit ist heute weder relevant noch praktikabel", so Justine Haworth, weltweite Leiterin des Bereichs Digital Engagement bei der global tätigen Bank HSBC, die für diese Studie befragt wurde. „Kunden erwarten und bedürfen der schnellen Lösung ihrer Probleme auf allen Kanälen.“

Das mündet darin, dass sich die Unternehmensfunktionen vermengen. Die am deutlichsten erkennbare Überschneidung gibt es bei Marketing und IT, wie die Umfrage verdeutlicht: 49 % der Marketing-Führungskräfte sagen, dass die Kompetenzen ihrer Abteilung gestiegen sind und sich heute „in großem Maße“ mit denen der IT überschneiden. 

Ebenso ist die Rolle der Fachbereichsleiter im Wandel begriffen: 70 % der Befragten geben an, dass ihre Rolle mit denen von Kollegen in anderen Funktionen verschmilzt.

Das bedeutet, dass die traditionelle Karriereentwicklung nicht mehr als gegeben angesehen werden muss. Beinahe die Hälfte der Umfrageteilnehmer (48 %) stimmen zu, dass „die Verwischung der innerbetrieblichen Grenzen es erschwert, einen beruflichen Werdegang zu planen“. Mehr als ein Drittel (35 %) ist über die Auswirkungen der digitalen Technologien auf die Karriereaussichten besorgt. Und viele weitere Befragte sind der Ansicht, dass sich die Fähigkeiten, die man zur Führungspersönlichkeit braucht, angesichts der digitalen Disruption gerade verändern.

Fähigkeiten im Wandel der Zeit

Einige dieser Fähigkeiten beziehen sich auf die Disruption selbst: So stimmen 71 % der Befragten zu, dass Innovation in der nahen Zukunft „sehr viel“ oder „relativ“ wichtiger wird, und 68 % sagen das auch über das Änderungswesen. Andere wiederum denken an die sich verändernde Gestalt des Unternehmens: 66 %  der Teilnehmer sagten, dass funktionsübergreifende Personalverantwortung an Wichtigkeit gewinnen wird, und 65 % glauben das von internem Networking. Derweil meinen 80 % der deutschen Befragten, die Fähigkeit, die am ehesten an Wichtigkeit zunehmen werde, sei die zur Motivation der Mitarbeiter. 

George Zarkadakis, Digital Lead beim Versicherungsanbieter Willis Towers Watson und Teilnehmer an dieser Umfrage, gibt an, dass ein digitaler Anführer den Mut aufbringen muss, eingefahrene Wege zu verlassen, ohne auf Einfühlungsvermögen und Vertrauen zu verzichten. „Sie werden Grenzen durchbrechen müssen. Sie werden sich mit Widerstand auseinandersetzen müssen. Sie werden Mauern überwinden müssen“, so Zarkadakis. „Neben Mut muss man jedoch auch in der Lage sein, Vertrauen zu schaffen, weshalb ein hohes Maß an sozialer Intelligenz unerlässlich ist.“

Fähigkeiten ausbauen

Wie entwickeln die Führungskräfte von heute die Fähigkeiten, die sie morgen brauchen? Die naheliegende Wahl sind Schulungen: 42 % der Befragten erwarten, die für die digitale Disruption benötigten Fähigkeiten durch interne Fortbildungsmaßnahmen zu erlernen, 40 % erwarten dies durch externe Schulungen. Andere wiederum sehen Bedarf, ihren Erfahrungshorizont zu erweitern. 39 % glauben, dass Führungsverantwortung in anderen Branchen eine wichtige Rolle bei ihrer beruflichen Entwicklung spielen wird, während 37 % dies bei Erfahrungen in anderen Abteilungen so sehen.

Dies schlägt sich auf die Karriereplanung der Befragten nieder: 74 % glauben, dass es mindestens relativ wahrscheinlich ist, dass sie in den kommenden drei Jahren bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber eine Führungsposition in einer anderen Abteilung übernehmen werden, während 62 % erwarten, dass sich ihr Aufgabenbereich wesentlich vergrößern und in Zukunft auch Kompetenzen anderer Abteilungen umfassen wird.

Inwieweit werden Sie Ihrer Ansicht nach in den kommenden drei Jahren die folgenden Karriereschritte ergreifen? (% der Befragtem, die mit „sehr wahrscheinlich“ und „relativ wahrscheinlich“ antworteten)

Dies zeigt, dass die Verwischung der Funktionssilos zwar eine Herausforderung für die berufliche Entwicklung darstellt, durch die weniger vorhersehbar werdenden Laufbahnen aber auch die Chance auf funktionsübergreifende Erfahrungen bietet.

Diese Chance beim Schopf zu packen, ist ein schlauer Karriere-Schachzug. Und bald wohl schon eine Notwendigkeit. Die Mehrheit der deutschen Befragten (54 %) stimmt zu, dass „Unternehmensführer heute keinen beruflichen Erfolg mehr erwarten können, wenn sie nur in einer Abteilung Erfahrungen gesammelt haben“.

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