Der geschlechtsabhängige Einkommensunterschied oder „Gender pay gap“ ist nach wie vor ein enormes Problem in der Arbeitswelt. Unternehmerinnen trotzen ihm, indem sie ihr Schicksal gleich selbst in die Hand nehmen.

In der Befragung von Inhabern und Führungskräften kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) im Auftrag von Salesforce für den aktuellen internationalen SMB Trends Report betrug der Frauenanteil insgesamt 36 %. Ein besonderer Aspekt der Befragung zu Motivation, Zielen und Herausforderungen und zur Nutzung von Technologie für die Erfüllung der Kundenerwartungen war der Einfluss des Geschlechts auf die Erfahrungen von KMU-Inhabern und Inhaberinnen.

Was zeichnet KMU-Unternehmerinnen aus?

Wenn Frauen in Deutschland ihr eigenes Unternehmen gründen, tun sie dies öfter als Männer im Nebenerwerb und öfter mit dem Hauptziel, Beruf und Privatleben besser vereinbaren zu können. „Unabhängigkeit“ ist dabei häufig ein entscheidender Aspekt. KMU-Inhaberinnen sind dabei vorwiegend im Dienstleistungssektor aktiv und haben häufiger ein Studium im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften, hingegen weniger oft ein Studium im MINT-Bereich absolviert als männliche Gründer.

Auch wenn Frauen die Existenzgründung weniger aggressiv angehen, mit einem höheren Eigenkapitalanteil gründen und eher auf nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg setzen als auf schnelles Wachstum, ist der Mut zur Unternehmensgründung bei Frauen annähernd genauso verbreitet wie bei Männern. Insgesamt schätzen Gründerinnen ihre Marktchancen generell etwas weniger positiv ein als männliche Gründer, blicken aber dennoch optimistisch in die Zukunft. (Quellen: KfW-Gründungsmonitor 2019, Female Founders Monitor 2019)

Wenn es um die Beurteilung der für die Führung eines erfolgreichen Unternehmens erforderlichen persönlichen Eigenschaften geht, werden laut Salesforce-Studie zwar Selbstdisziplin und Kommunikation geschlechterübergreifend hoch bewertet, allerdings zeigen sich zwischen Frauen und Männern merkliche Unterschiede bei der Einstufung der drei erfolgswichtigsten Unternehmereigenschaften:

Von Frauen wurden sowohl die Fähigkeit zum Umgang mit Menschen und zur Kommunikation als auch die Fähigkeit zum Umgang mit Geld häufiger genannt als von Männern, wohingegen Marktkenntnis häufiger von Männern genannt wurde. Ein Anteil von 24 % der Männer, aber nur 17 % der Frauen gab als wichtigste Eigenschaft für eine erfolgreiche Unternehmensführung die Bereitschaft zum Eingehen von Risiken an. Hingegen stuften 25 % der Frauen, aber nur 18 % der Männer innovatives Denken als wichtigste Eigenschaft ein.

Herausforderungen: „Lock-in“ und „Confidence gap“

International werden immer mehr Frauen KMU-Inhaberinnen, schaffen dadurch Arbeitsplätze und tragen erheblich zur Wirtschaft ihres Landes bei. Allerdings sank der Anteil frauengeführter KMU in Deutschland zwischen 2013 und 2017 – wahrscheinlich durch die gute Arbeitsmarktlage bedingt – auf nur 15,4 Prozent. Im Jahr 2018 ist wiederum die Gründungsaktivität von Frauen im Gegensatz zu der von Männern in Deutschland gestiegen. (Quellen: KfW-Pressemitteilung vom 28.02.2019, KfW-Gründungsmonitor 2019)

Veraltete Rollenbilder sorgen oft dafür, dass Frauen bei der Gründung und der Entwicklung ihres Unternehmens auf mehr Schwierigkeiten stoßen als ihre männlichen Pendants – sei es aufgrund von „Lock-in“-Effekten und Fehlanreizen in der Sozialversicherungs- und Steuergesetzgebung oder aufgrund des unzureichenden Vertrauens potenzieller Investoren in wirtschaftliche und innovative Fähigkeiten sowie in die Führungskompetenz von Frauen, dem sogenannten „Confidence gap“. (Quelle: Female Founders Monitor 2019)

SMB Trends Report: Frauen bereiten Kapitalbeschaffung und Zeitmangel größere Probleme

Laut den Daten des SMB Trends Report bereitet die Beschaffung von Risikokapital Frauen immer noch größere Probleme als Männern: Insgesamt 62 % der Frauen berichten, dass der Zugang zu Finanzmitteln eines der größten Hindernisse für sie ist. (Bei den Männern sind es 57 %.) KMU-Inhaberinnen nennen den Zugang zu Kapital als ihre größte Herausforderung, wohingegen die Männer an der Spitze von KMU die Gewinnung geeigneter Mitarbeiter als ihre größte Herausforderung ansehen.

An zweiter Stelle der Hindernisse steht bei Frauen der Mangel an Zeit (bei Männern erst an dritter Stelle). Hier kann moderne Technologie zur Effizienzsteigerung Vorteile bringen: So kann etwa ein cloudbasiertes CRM-System helfen Zeit zu sparen und gleichzeitig den Ertrag zu steigern. Darüber hinaus liefert es Berichtdaten und Vertriebsprognosen, um Investoren zu überzeugen.

Hilfe für Existenzgründerinnen

Die bundesweite gründerinnenagentur (bga) ist das deutschlandweite Kompetenz- und Servicezentrum zur unternehmerischen Selbstständigkeit von Frauen. Auf der Seite www.existenzgruenderinnen.de gibt die bga unter anderem einen Überblick über spezifische Angebote und Förderinstrumente für Gründerinnen und Unternehmerinnen.

Weitere Daten über KMU finden Sie im aktuellen Salesforce-Trendbericht 2019.