Seit dem Lockdown Mitte März 2020 vergeht kein Tag mehr, an dem wir nicht mit der Corona-Pandemie konfrontiert werden. Neue Hygienevorschriften und anschließende Lockerungen oder auch Verschärfungen wechseln sich im Wochenrhythmus ab. Gleichzeitig wurden digitale Konzepte in einer Geschwindigkeit umgesetzt, die wir bis dahin nicht kannten. Homeoffice und die damit verbundene Zusammenarbeit über Online Plattformen ist eines dieser Beispiele. Viele Unternehmen hatten damit zuvor allenfalls erste zaghafte Erfahrungen gesammelt. Für die meisten Unternehmen und Angestellten war die Digitalisierung eher ein abstraktes Konzept: möglich, aber nicht zwingend notwendig. Dann plötzlich, als alle aufgrund der Corona-Pandemie zuhause bleiben mussten, gelang ein großer Schritt in Richtung digitale Zukunft. Und: Es funktioniert besser als erwartet. Nicht viel anders verhält es sich mit der Industrie 4.0. Viele skeptische Unternehmen mussten erst die Erfahrung der Verwundbarkeit ihrer Lieferketten machen, um von der Notwendigkeit der Vernetzung in Fertigungsprozessen ihrer Produkte überzeugt zu werden.

 

Was ist Digitalisierung und Industrie 4.0?

Im Alltag und in der Verwaltung bedeutet Digitalisierung schlicht, Prozesse durch intelligente, internetbasierte Lösungen zu vereinfachen und zu beschleunigen. Statt Daten umständlich in Papierformulare einzutragen und auf dem Postweg zu versenden, werden Daten in digitalisierten Prozessen weitgehend automatisiert erfasst und zum Empfänger übertragen. Das kann durch Einsatz digitaler Endgeräte oder auch durch Sensoren geschehen. Auf der Empfängerseite muss niemand mehr die Daten von Hand in Systeme einpflegen. Vielmehr können die empfangenen Daten direkt ausgewertet und verarbeitet werden. Industrie 4.0 bedeutet die datenbasierte Steuerung von Produktionsprozessen mit dem Ziel, eine höchstmögliche Verfügbarkeit und optimale Auslastung von Maschinen sicherzustellen. Industrie 4.0 heißt aber vor allem Flexibilität in der Produktion, denn sie ermöglicht, deutlich schneller auf veränderte Kundenbedürfnisse zu reagieren und die Produktion entsprechend anzupassen.

Unser Artikel „Digitalisierung im Mittelstand“ informiert Sie über den Status Quo in Sachen digitaler Wandel.

 

Technische Grundlagen sind Voraussetzung für die digitale Transformation in der Industrie

Wenn Sie veraltete Systeme austauschen und Produktionsprozesse mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik besser verzahnen möchten, um schneller auf individuelle Kundenwünsche und Bedürfnisse reagieren zu können, brauchen Sie neue intelligente Konzepte. Es nützt Ihnen nichts, Produktionsprozesse nur auf mehr Ausstoß zu trimmen. Stattdessen sollten intelligente Produktionsverfahren dafür sorgen, dass vorausschauend und flexibel auf künftige Anforderungen reagiert werden kann. Hierzu bedarf es digital steuerbarer Produktionsanlagen und Maschinen, die untereinander kommunizieren können. Nur so lassen sich in kürzester Zeit Produkte passgenau und in der Menge bereitstellen, die der Markt fordert. An einer effektiven inner- und außerbetrieblichen Vernetzung von Produktionsanlagen und Menschen kommt kein Unternehmen mehr vorbei, wenn es die Transformation meistern will.

 

Vorteile und Potentiale, die durch den Einsatz von digitalen Technologien für den deutschen Mittelstand entstehen

Durch die Globalisierung sieht sich der Mittelstand in Deutschland einem zunehmenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Viele wiegen sich aufgrund einer eventuellen Marktführerschaft in einem bestimmten Segment oft in Sicherheit und legen Vorhaben rund um Digitalisierung ganz unten auf der Prioritätenliste an. Das ist allerdings gefährlich, denn die Nachfrage kann schneller einbrechen, als einem lieb ist. Die veränderten Prioritäten im Bereich der Mobilität liefern hierfür ein gutes Beispiel: Viele hoch spezialisierte Zulieferer in der Automotive-Branche sind davon betroffen. Denjenigen, die schon früh auf digitale Technologien in der Produktion setzten, fällt es jetzt leichter, sich auf eine veränderte Nachfrage einzustellen und Produktionskapazitäten entsprechend umzurüsten. Mit anderen Worten: Auch für mittelständische Unternehmen eröffnen sich durch Industrie 4.0 neue Potenziale.

Viele von Ihnen werden sich bestimmt fragen, was denn nun wirklich so neu an der Digitalisierung und Industrie 4.0 ist. Digitalisierung in Form programmgesteuerter Automatisierung gibt es schließlich schon seit den 1970er-Jahren, als Informationstechnologien und Computersteuerung im Rahmen der 3. industriellen Revolution Einzug hielten. Der entscheidende Unterschied zu damals ist: Die Maschinen und Abläufe waren seinerzeit weitgehend linear programmiert. Die Überwachung und Steuerung erfolgten durch Menschen. Sie mussten dafür sorgen, dass veränderte Anforderungen in Form von neuem Input in den Programmen zur Steuerung umgesetzt werden. Kurzum: Maschinen und Roboter waren zu dem Zeitpunkt noch nicht lernfähig. Ihnen mussten genaue Vorgaben gemacht werden, was sie in welcher Menge und in welchem Zeitraum produzieren sollten.

 

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie eine datenbasierte Maschinenauswertung neue Geschäftsmodelle unterstützt, empfehlen wir Ihnen das Whitepaper „Datenbasierte Maschinenauswertung für neue Geschäftsmodelle“ als Lektüre.

 

In der Industrie 4.0 ist das vollkommen anders. Hier erkennen die Maschinen frühzeitig, wenn Materialvorräte zu Ende gehen und sorgen automatisch für Nachschub. Sind Verschleißteile am Limit, kommunizieren sie das rechtzeitig zu den richtigen Stellen. Maschinenteile lassen sich dadurch frühzeitig warten, ohne dass die gesamte Produktion heruntergefahren werden muss. Durch permanente Kontrolle wird die Wartung von den Maschinen größtenteils selbst übernommen. Für Ihr Unternehmen bedeutet das eine deutliche Steigerung der Effizienz. Mitarbeiter, die früher für Kontrolltätigkeiten eingesetzt wurden, werden weiterqualifiziert, um die Steuerungssoftware auf dem neuesten Stand zu halten.

 

Herausforderungen die auf KMU’s in Bezug auf Digitalisierung und Industrie 4.0 zukommen

Mittelständler haben oft Angst, durch eine Umstellung auf Industrie 4.0 die Kontrolle über ihr Unternehmen zu verlieren. Die Sorge erscheint berechtigt, ist aber genauso unbegründet wie in den 1970er-Jahren bei der Einführung computergesteuerter Produktion. Bei der Industrie 4.0 gibt es deutlich weniger, dafür aber hoch konzentrierte Kontrollinstanzen. Aufgrund einer geringeren Anzahl von Instanzen müssen weniger Entscheidungen getroffen werden. Da nunmehr alles über eine zentrale Plattform läuft, lassen sich die Fehlerquoten im Produktionsablauf deutlich senken. Wo Sorgen berechtigt sein könnten, sind die Bereiche Sicherheit und Datenschutz. Hier können Sie durch eine vorausschauende Planung sicherstellen, dass Daten nur in solchem Umfang genutzt und weitergegeben werden, wie Sie es verantworten können. Sie bestimmen, wie Daten ausgewertet werden und wer Zugang zu den Ergebnissen hat. Durch intelligente Verschlüsselung sorgen Sie zudem dafür, dass Unberechtigte auf drahtlos übermittelte Daten nicht zugreifen können.

 

Was ist eine „Smart-Factory“ und warum ist sie sinnvoll?

Smart-Factory ist ein Schlagwort, das in der Industrie immer präsenter wird. In letzter Konsequenz bedeutet es die voll automatisierte Fabrik, in der nur noch wenige oder gar keine Menschen mehr arbeiten. Die Wertschöpfungsketten sind dabei weitgehend digitalisiert. Intelligente Software und Services sorgen in der Smart Factory für ein Höchstmaß an Effizienz, Transparenz und Prozessoptimierung. Die Smart Factory ist quasi das Synonym für die Produktion von morgen. Die Frage, ob eine Smart Factory wirklich sinnvoll ist, könnte sich schon bald als obsolet herausstellen. Der globale Wettbewerb zielt nur noch in diese Richtung ab und Wettbewerber, die sich der Herausforderung nicht stellen wollen oder können, werden langfristig vom Markt verschwinden.

 

Fazit

Der Wettbewerbsdruck auf Unternehmen, auch und vor allem in der Industrie wird nicht nachlassen – Digitalisierung und Industrie 4.0 ist das beherrschende Paradigma des 21. Jahrhunderts. Unternehmen, die die Zeichen der Zeit richtig erkennen und ihre Produktion entsprechend umstellen, werden auch in Zukunft global gut mithalten und optimal aufgestellt sein. Die digitale Transformation stellt die größte gesellschaftliche Herausforderung des 21. Jahrhunderts dar, die im gleichen Zuge enorm viele Möglichkeiten für KMU’s bietet.

 

Lesen Sie hier unsere komplette Mittelstandsstudie und erfahren Sie mehr zu den größten Herausforderungen und möglichen Lösungsansätzen für das Marketing im Mittelstand: