Hanna Hennig ist CIO bei Siemens und verantwortet die IT von weltweit mehr als 385.000 Siemensianern. Wie ein global agierendes Unternehmen dieser Größe seine Organisation in der Krise meistert, sich der „Neuen Normalität“ langfristig anpasst und seine Standorte wieder hochfährt, hat sie im Experten-Gespräch mit Bernd Wagner, Senior Area Vice President Salesforce, erklärt.

Zahlreiche Unternehmen werden im Angesicht der Covid-19-Pandemie und ihrer Folgen von zwei existentiellen Fragen angetrieben: Wie wappnet man seine Organisation langfristig für die zukünftigen Herausforderungen und wie kann man seine Infrastruktur sicher wieder hochfahren?
Die Sicherheit der Mitarbeiter stand und steht dabei für Siemens an erster Stelle. Wie viele andere Unternehmen hat Siemens die Corona-Krise in drei Phasen unterteilt:

  • Krisenmanagement
  • Lockdown-Aufhebung
  • New Normal

Siemens hat als weltweit agierendes Unternehmen die Krise in ihrer geographischen und zeitlichen Entwicklung aus erster Hand erlebt: Zuerst China, dann Europa und zuletzt in den USA. Die Verlagerung der Mitarbeiter ins Homeoffice folgte dem Lockdown, nun kehren die Belegschaft in umgekehrter Reihenfolge zurück ins Office – in China ist dieser Prozess bereits weit fortgeschritten. Absolute Priorität hat dabei nach wie vor die Sicherheit der Mitarbeiter.

Cloud-Lösungen als Systemvorteil

Ein bedeutender Vorteil für Siemens war der bereits vor der Krise weit verbreitete Einsatz von Cloud-Technologien wie beispielsweise Lösungen von Salesforce als voll „cloudifizierte“ und skalierbare SaaS-Produkte. Mit den Cloud-Lösungen gab es bei der Umstellung auf Homeoffice keine Performance- oder Technikprobleme. Eine Herausforderung dagegen war die Umstellung von On-Premise-Lösungen mit sicherem VPN auf Cloud – schließlich musste von 60.000 auf 300.000 Mitarbeiter im Homeoffice skaliert werden, was wiederum nur durch Cloud-Lösungen möglich war.
Neben dem Schutz der Mitarbeiter vor dem Virus müssen in allen drei Phasen der Krise aber auch andere Aspekte unbedingt beachtet werden.

  • Produktivität
  • Wohlbefinden der Mitarbeiter
  • Flexibilisierung
  • Kultur und Mindset
  • Kommunikation
  • Digital Leadership

Manche Mitarbeiter fühlen sich im Office schlicht besser und produktiver als im Homeoffice und nicht alle haben optimale Möglichkeiten für ein Homeoffice. Ein wichtiger Faktor ist also, die Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen und Flexibilität zu ermöglichen, um die Produktivität aufrecht zu erhalten oder sogar auf neue Ebenen zu heben. Denn weitere Lockdowns sind auch zukünftig nicht ausgeschlossen. Dabei sind auch kulturell bedingte unterschiedliche Mindsets zu berücksichtigen. So ist beispielsweise Homeoffice für Mitarbeiter in Indien eine noch größere Herausforderung als in anderen Ländern, denn dort gilt auch der Arbeitsplatz als ganz besonderer Ort sozialer Interaktion. Deshalb muss Social Distancing geschickt mit Socialising kombiniert werden – auf digitalen Kanälen genauso wie im Office.

What’s the new ritual?

Eine wichtige Klammer ist dabei die Kommunikation in alle Richtungen, die eine Verbindung zwischen Mitarbeitern, Unternehmen und Arbeitsplatz schaffen muss – hier ist Digital Leadership gefragt, denn Führungskräfte sind dafür verantwortlich, die besten Rahmenbedingungen für ihre Mitarbeiter zu schaffen. Dazu gehören auch vermeintliche Kleinigkeiten, wie darauf zu achten, dass Mitarbeiter im Homeoffice nicht ein digitales Meeting nach dem anderen absolvieren und Aufgabe um Aufgabe abarbeiten, ohne auch einmal eine Pause einzulegen. Denn eine nicht ausgewogene Work-Life-Balance schadet auch der Produktivität.
So stellt sich vor der Frage, was die neue Normalität ist, erst einmal die Frage: What’s the new ritual?
Sehr viel mehr über neue Rituale, das Hochfahren von Siemens und die Vorbereitung auf zukünftige Szenarien erfahren Sie beim spannenden Experten-Gespräch zwischen Hanna Hennig und Bernd Wagner.