Wenige Themen bestimmten die öffentliche Diskussion über den Einsatz neuer Technologien in den letzten Jahren so stark wie die künstliche Intelligenz (KI). Manch einer ist der Meinung, dass die KI in Zukunft immer mehr komplexe Tätigkeiten übernehmen könnte und damit den Menschen aus der Arbeitswelt verdrängt. Von diesem Szenario sind wir zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch sehr weit entfernt. Vielmehr ist es sogar so, dass KI hauptsächlich für Datenverarbeitungsprozesse eingesetzt wird, die ein Mensch unmöglich hätte übernehmen können und damit das Potenzial hat, neue Arten von Arbeit zu schaffen. Die Nutzung von KI setzt sich in der Wirtschaft deshalb langsam, aber sicher durch. Insgesamt nutzten 2019 rund 12 Prozent der deutschen Unternehmen eine Form von KI. Damit liegen die Deutschen deutlich hinter den Amerikanern, die im gleichen Jahr eine KI-Nutzung in 72 Prozent aller Unternehmen auswiesen. 

 

Was ist künstliche Intelligenz überhaupt? 

Der Begriff „künstliche Intelligenz“ beschreibt im weitesten Sinne Programme, die in der Lage sind, Lernprozesse zu durchlaufen, Lösungen zu finden und sich dadurch kontinuierlich zu verbessern. Allerdings ist der Begriff der künstlichen Intelligenz so lose definiert, dass sich wenig allgemeine Aussagen über ihn treffen lassen. Das führt dazu, dass sehr unterschiedliche Anwendungen unter dem Begriff KI zusammengefasst werden. Allgemein werden die Begriffe „starke“ und „schwache KI“ unterschieden. 

Eine schwache KI ist spezifisch für eine Anwendung ausgelegt. Ein Beispiel wäre eine KI, die sich auf das Schachspielen konzentriert wie etwa der bekannte Supercomputer Deep Blue, der schon im Jahr 1996 besser als jeder Mensch Schach spielen lernte. 

Eine starke KI ist definitionsgemäß in der Lage, auf Augenhöhe (oder darüber hinaus) mit dem Menschen Aufgaben zu erledigen. Außerdem hat sie das Potenzial, aus eigenem Antrieb zu handeln. Eine solche KI findet sich zum jetzigen Zeitpunkt nur in Science-Fiction-Universen. Viele Forscher glauben jedoch, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch starke KIs entwickelt werden.

 

KI in der Wirtschaft

KI war lange Zeit ein Spielzeug der Wissenschaft, dies hat sich aber geändert, seitdem Rechenleistung immer preiswerter und zugänglicher wurde. Dadurch entwickelte sich auch der Einsatz von KI in Unternehmen stetig weiter – ein Trend, der sich bis zum heutigen Tag fortsetzt und sich dabei sogar beschleunigt. 

Einsatz von KI im Mittelstand

Die Vorreiter des Einsatzes von KI waren vor gut 20 Jahren große digitale Unternehmen wie Google und Amazon. Heute ist KI aber deutlich weiter verbreitet, und selbst die kleinsten Firmen können es sich prinzipiell leisten, eine Form von KI einzusetzen. Für den Einsatz solcher KIs haben sich über die Zeit einige typische Anwendungen herauskristallisiert. Dazu gehören beispielsweise:

  • Chatbots/Beratungsroboter
  • Dynamische Preisoptimierung
  • Bestandsmanagement
  • Personaleinsatzplanung
  • Personalisiertes Marketing
  • Betrugserkennung

Verbraucher kommen in den letzten Jahren immer öfter bei der Kundenberatung mit Beratungssoftware auf KI-Basis in Kontakt. Das kann sowohl beim Chat als auch bei einem Anruf der Fall sein. Aber die KI kommt auch in anderen Bereichen zum Einsatz, etwa im Bestandsmanagement. Als Beispiel: Bäckereien haben seit jeher das Problem, am Abend oftmals einen großen Teil der produzierten Waren unverkauft entsorgen zu müssen. Füttert ein Bäcker nun die KI mit Daten über verworfene Waren, kann die Software lernen, den wahrscheinlichen Bedarf am nächsten Tag vorhersagen zu können und spart so Material und Arbeitszeit ein. 

 

Aktive und passive Nutzung von KI

Wer sich dafür entscheidet, KI basierte Systeme auch im eigenen Unternehmen einsetzen zu wollen, kann zwischen einer aktiven und der passiven Nutzung der KI wählen. 

  • Bei der passiven Nutzung erwirbt das Unternehmen KI von Fremdanbietern als abgeschlossene Programme. Ein Beispiel hierfür wären die „AI as a Service“ Angebote von bekannten IT-Firmen. Die KI ist bei diesen Lösungen gewissermaßen eine „Black-Box“ für den Anwender, die Algorithmen sind nur dem Anbieter bekannt.
  • Im Gegensatz dazu ist der Quellcode der KI bei der aktiven Nutzung für den Anwender bekannt. Die KI wird dabei in einen Prozess integriert und spezifisch für eine bestimmte Anwendung programmiert. Das hat den Vorteil, dass die KI einen größeren Mehrwert für das Unternehmen hat und bei Bedarf angepasst werden kann. Die passive Nutzung hingegen bietet zwar weniger Flexibilität, ist aber auch insgesamt mit weniger Aufwand verbunden und benötigt nicht zwangsweise die Anwesenheit von IT-Fachkräften im eigenen Unternehmen. 

 

Potentiale der KI für den Mittelstand

Der deutsche Mittelstand steht dem Thema KI aktuell noch etwas kritisch gegenüber, obwohl es dafür eigentlich keinen Grund gibt. Prinzipiell gibt es keine großen Unterschiede zwischen „normalen“ Systemen und Programmen und einer schwachen KI für den Anwender. Wer zudem die KI passiv nutzt, braucht nicht zwingend Spezialisten in der Belegschaft, sondern kann die KI wie jedes andere digitale Angebot für sich nutzen. 

Wer sich von vornherein gegen die Nutzung jeglicher KI entscheidet, der lässt also viele Potentiale ungenutzt verkümmern. Je nach Einsatzbereich und Art der KI kann diese etwa logistische Prozesse optimieren, die Arbeitsqualität der Mitarbeiter aufwerten oder die Interaktion mit Kunden verbessern. KI ist zudem dann besonders wertvoll, wenn sie mit Big Data (also der Analyse von großen Datenmengen) verbunden werden kann. So kann zum Beispiel die Auswertung von Maschinendaten durch eine KI zur Erschließung von neuen Geschäftsmodellen und Einkommensströmen führen. 

Näheres dazu finden Sie in unserem Whitepaper zum Thema: „Datenbasierte Maschinenauswertung für neue Geschäftsmodelle – eine Herausforderung für die Fertigungsindustrie in Deutschland?

Vor allem wer bereits Big Data im eigenen Unternehmen nutzt, profitiert von der Anschaffung einer KI, denn beide Technologien lassen sich hervorragend vereinen. Eine KI lernt nämlich am besten aus großen Datenmengen. Doch warum entscheiden sich auch heute noch so viele deutsche Unternehmen und vor allem Mittelständler gegen die KI?

 

Herausforderungen bei der Nutzung von KI im Mittelstand

Andere als viele große Unternehmen hat der Mittelstand nicht den gleichen Überblick über die verfügbaren Tools und hinkt naturgemäß immer etwas dem neuesten technologischen Stand hinterher. Zudem sind die Fachkräfte häufig an die dominierenden Marktteilnehmer gebunden, kleinere Unternehmen haben oft das Nachsehen. Hinzu kommt, dass die deutsche Mentalität in Bezug auf neue Technologien etwas konservativer zu sein scheint als der internationale Durchschnitt. Dadurch besteht jedoch die Gefahr, dass sich deutsche Unternehmen mittel- bis langfristig abhängen lassen – nicht nur bei der KI-Nutzung, sondern bei der Digitalisierung insgesamt. Hier ist somit Mut zur Innovation gefragt.

 

Die Frage ist nicht, ob sich die KI durchsetzt, sondern wann

Wenn sich Mittelständler hingegen beim technologischen Fortschritt ungern abhängen lassen wollen, müssen sie im eigenen Betrieb die notwenigen Voraussetzungen für die erfolgreiche Einführung digitaler Technologien schaffen. Zunächst bedeutet das, selbst offen für Neuerungen zu sein und die Vor- und Nachteile einer individuellen Neuerung objektiv abwägen zu können. Ob sich die Investition in eine KI für eine Firma lohnt (und vor allem in welchem Bereich) lässt sich nicht universell beantworten. Es gibt sicherlich auch Unternehmen, die ohne eine KI wunderbar zurechtkommen werden und wettbewerbsfähig bleiben. Durch die stetigen Verbesserungen bei neuen KIs und die sinkenden Preise für digitale Infrastruktur wird sich die Zahl dieser Unternehmen aber immer weiter verringern. Daher ist zu erwarten, dass KIs sich im nächsten Jahrzehnt auch im deutschen Mittelstand immer mehr und mehr durchsetzen werden – seien Sie unter denjenigen, die früh von dieser neuen Technologie profitieren lernen!

 

Lesen Sie hier unsere komplette Mittelstandsstudie und erfahren Sie mehr zu den größten Herausforderungen und möglichen Lösungsansätzen für das Marketing im Mittelstand: