Unverhofft geriet der Italiener Francesco Cigarini im Jahr 2018 in die Schlagzeilen. Während des Formel-Eins-Rennens in Bahrain hatte er das linke Hinterrad des Boliden von Kimi Raikönnen noch nicht ganz montiert, als dieser schon los- und seinen Mechaniker anfuhr. Ein Sensor am Schlagbohrer Cigarinis hatte dem Finnen fälschlicherweise signalisiert, dass der Radwechsel vollzogen sei. 

Trotz dieses Unglücks sind Sensoren aus der Formel Eins nicht mehr wegzudenken. Die unsichtbaren Helfer übermitteln sämtliche Fahrzeugdaten, vom Reifendruck bis zum Abgasgemisch, an die Boxen-Crew. Diese wiederum ist im Stande, die Motorleistung zu regulieren und dem Piloten in wichtigen Situationen mehr PS zur Verfügung zu stellen. In den Handschuhen der Fahrer befinden sich biometrische Sensoren, die fortwährend deren Gesundheitszustand überwachen. Nach einem Unfall hilft ein kleiner Chip im Ohrstöpsel dabei, die Situation zu simulieren und somit an der Entwicklung neuer Sicherheitskonzepte zu arbeiten. 

 

Von der Rennstrecke auf die Straße

Nicht nur im Motorsport, auch im Straßenverkehr ist Connectivity längst ein Treiber des Fortschritts. 

Das Auto wird das wichtigste Mobile Device“, meinte VW-Chef Diess unlängst in diesem Zusammenhang. „Die Zeit klassischer Automobilhersteller ist vorbei. Die Zukunft von Volkswagen liegt im digitalen Tech-Konzern – und nur da.

Navigationsgeräte und Internet im Auto sind dabei schon die Klassiker unter den schier unbegrenzten Anwendungsmöglichkeiten. Viele weitere neue Funktionen, Inhalte und Updates lassen sich im Connected Car bequem herunterladen. Auf den Infotainmentsystemen der Hersteller können zudem problemlos Musik- und Videoinhalte gestreamt werden. Immer häufiger geht das problemlos per Sprachbefehl an einen integrierten Digitalen Assistenten, der im Stau auch mit einfachen Spielen, etwa einem Quiz, die Zeit vertreiben kann.  Äquivalent zum Smartphone können Anwendungen von Drittanbietern ergänzt werden. Versicherer erhalten Dank Connectivity die Möglichkeit die Fahrweise zu analysieren und können daran angepasste Tarife anbieten. Auch dem Carsharing verhalf die die Vernetztheit zu einem Boom. Auto finden, reservieren, öffnen und schließen gelingt nun bequem per App.  

Zusammen mit Prognos untersucht Bosch die möglichen Auswirkungen von Connected-Car-Technologien bis zum Jahr 2025 und liefert teilweise beeindruckende Ergebnisse:

  • Weltweit werden dadurch 260.000 weniger Unfälle erwartet
    • 30.000 davon allein in Deutschland
  • Die Leben von 11.000 Menschen könnten gerettet werden
  • 3,3 Milliarden Euro an Sach- und Schadenskosten könnten vermieden werden
    • 450 Millionen davon allein in Deutschland
  • 480 Millionen Kilometer Fahrtstrecke könnten durch vernetzte Parktechnologien eingespart werden
  • 400.000 Tonnen CO2 vermieden werden

Kurzum: Die Zahlen vermitteln die Vorteile von Connectivity Diensten eindrücklich.

 

Vernetzung hilft Kunden und Herstellern

Der Verbraucher selbst weiß dank Connectivity nicht nur stets, wo sich sein Auto befindet, sondern erhält auch weitere erhält auch weitere wissenswerte Einblicke, z.B. über sein Fahrverhalten, die Dauer der Fahrt oder den Betriebszustand des Fahrzeugs. Daten, die auch für Hersteller viel Potenzial bieten. Das Einverständnis des Halters vorausgesetzt, helfen sie die zukünftige Fahrzeugentwicklung voranzutreiben oder ermöglichen an die jeweiligen Umstände angepasste Werbemaßnahmen. Eine Werkstatt könnte beispielsweise Insassen beschädigter Fahrzeuge in der Nähe sofort ein passendes Reparaturangebot schicken.

 

Intelligente Customer Journey: Lernen Sie Salesforce für die Automobilbranche kennen und erleben Sie wie Sie mit Salesforce alle Touchpoints Ihrer Kunden im Block haben und jederzeit passende Botschaften auf ihrem Lieblingskanal schicken. Mehr Infos.

 

Auf dem Weg zum autonomen Fahren

Ein vollumfänglich vernetztes Fahrzeug ist Teil eines gigantischen Internets der Dinge, welches kontinuierlich Daten mit seiner Umgebung beispielsweise mit Verkehrssignalen, verfügbaren Parkplätzen oder anderen Connected Cars austauscht. Connectivity bildet demnach die Grundvoraussetzung für autonomes Fahren: Je mehr Informationen Autos erhalten, desto eher werden sie in der Lage sein, selbständig sichere Entscheidungen zu treffen und autonom zu fahren. An bestimmten Orten könnte zukünftig auch ein städtisches Verkehrsleitsystems komplett die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen und den Verkehrsfluss entsprechend optimieren. 

Vernetzung sorgt für weniger Unfälle, weniger Verbrauch und weniger Stress,“ weiß Dr. Dirk Hoheisel, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. 

Laut der Studie von Bosch und Prognos verbringen die Deutschen im Schnitt 39,5 Stunden pro Jahr auf der Autobahn. Schon 2025 könnten 80 Prozent der Zeit hinterm Steuer anders genutzt werden: Beispielsweise zum Lesen, Fernsehen oder Arbeiten. „Unsere Studie zeigt“, so Hoheisel, „die Effekte der Vernetzung werden 2025 für jeden Autofahrer spürbare Auswirkungen haben.“

 

Unsere Metastudie zur Mobilitätswende: Die Ergebnisse der relevantesten Studien rund um die Verkehrswende haben wir in einer umfangreichen Metastudie zusammengefasst. Hier können Sie sich einen Überblick über prognostizierte Veränderungen und Herausforderungen der Industrie verschaffen.

 

Weltweit wird fieberhaft auf dieses Ziel hingearbeitet, wobei die Ausgangssituation hierzulande kaum besser sein könnte. So gilt Deutschland laut dem jährlichen Bloomberg Innovation Index als innovativste Nation und hat diese Spitzenposition vor allem der hiesigen Automobilindustrie zu verdanken. Etwa ein Drittel aller Ausgaben für Forschung und Entwicklung entfallen laut Bloomberg hierzulande auf diesen Wirtschaftszweig, weswegen Deutschlands Status als Produktionsriese vor allem darauf beruht. Die Connected Car Innovation Studie 2019, die vom Center of Automotive Management durchgeführt wurde, untersuchte die Innovationsstärke von 30 globalen Automobilherstellern. Die deutschen Automobilbauer Daimler, VW und BMW belegen dabei die Podestplätze, während Tesla erst an Position acht zu finden ist. Auch hier gilt Deutschland entsprechend als Innovationsleader vor China und den USA. Deutschland hat also beste Chancen, im Rennen zum autonomen Fahrzeug als erster durch die Ziellinie zu fahren. 

 

Das Connected Car und die Ethik

Connected Cars bieten mehr Sicherheit, mehr Entertainment, mehr Komfort und schaffen durch ihre Vernetzung mit anderen Dingen in ihrer Umgebung die Grundlage für das autonome Fahren. Noch gilt es allerdings einige Herausforderungen zu bewältigen, um eine verantwortungsvolle Entwicklung und somit eine sichere Nutzung der neuen Technologien zu gewährleisten. Dabei müssen auch gesellschaftliche und ethische Implikationen autonomer Systeme berücksichtigt werden. Eine Grundlage hierzu schaffte der im Juni 2017 veröffentlichte Bericht „Automatisiertes und vernetztes Fahren“ vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Dieser stellt einen Regelkatalog für den automatisierten und vernetzten Fahrzeugverkehr auf, weist aber auch darauf hin, dass einige Fragen noch nicht abschließend geklärt sein. Insbesondere im gemischten Betrieb, also wenn noch nicht alle Fahrzeuge untereinander vernetzt sind, kann es zu „dilemmatischen Konfliktentscheidungen in konkreten Verkehrssituationen kommen“. Wie also soll sich das autonome Fahrzeug entscheiden, wenn es nur die Wahl zwischen verschiedenen Unfallsituationen hat? Was darf durch die Programmierung überhaupt vorweggenommen werden? Immerhin kommt die Kommission zu einem positiven Gesamtfazit: „Bei rein utilitaristischer Betrachtungsweise überwiegen die Vorteile des autonomen Fahrens im Hinblick auf die Steigerung der Mobilität, Erhöhung der Sicherheit und Zeitgewinn im Verhältnis zu systemimmanenten Risiken.

Ähnliches gilt auch für den eingangs erwähnten Schlagbohrer in der Formel 1. So dürften die Sender darin beim Kampf um Zehntelsekunden häufig ein zu frühes Losfahren und damit einen Unfall vermieden haben. Neben effizienteren Boxenstopps schaffen sie also mehr Sicherheit im Rennsport und insbesondere und ironischerweise auch für Mechaniker wie Francesco Cigarini.