Bereits 2025, so vermuten Experten, wird die Zahl der in Europa genutzten Fahrzeuge mit 273 Millionen ihren Höchststand erreichen und danach zurückgehen. Damit wird auf dem alten Kontinent eine Entwicklung eingeläutet, die die Automobilindustrie vor völlig neue Herausforderungen stellt. Die Digitalisierung ist dabei nicht nur der Treiber dieser Entwicklung, sondern in doppelter Hinsicht bietet Sie auch die passenden Lösungen für die Branche, dennoch wirtschaftliche Erträge zu erzielen. Einerseits hilft sie an allen Stellen der Wertschöpfungskette Kosten einzusparen, andererseits lassen sich mit ihr auch zusätzliche Gewinne realisieren. Laut einer PWC-Studie wird der Gewinnanteil des traditionellen Autoverkaufs, der Teile und des Aftersales von 70 auf etwa 55 Prozent des gesamten Automobilmarktes schrumpfen, während der Gewinnanteil neuer digitaler Technologien bis 2030 von 5 auf etwa 25 Prozent steigen könnte.  Wie konkret die Digitalisierung hilft Kosten zu sparen und welche neuen Gewinnmöglichkeiten für Hersteller und Händler entstehen, wird im Folgenden vertiefend beleuchtet. 

 

Die Digitalisierung der Wertschöpfungskette

Daten gelten gemeinhin als das neue Öl der Automobilbranche. Beispiel Supply Chain Management: Big Data ermöglicht konkrete Vorhersagen darüber, wann ein bestimmtes Bauteil in der Produktionsstätte auf Lager sein muss. Zusätzlich wird die Lieferkette durch digitale Technologien transparenter und es ist zu jedem Zeitpunkt einsehbar, an welchem Punkt der Supply Chain sich das Teil befindet. Das Einsparpotenzial liegt in der Vermeidung von Überkapazitäten und Leerständen sowie im frühzeitigen Erkennen von Risiken, wodurch effektive Maßnahmen zur Gegensteuerung ergriffen werden können. Zusätzlich birgt die Analyse großer Datensätze auch das Potenzial, die Nachfrage bestimmter Fahrzeugmodelle und Ersatzteile durch den Endkunden zu prognostizieren und sowohl Produktion als auch den Lagerbestand gezielt daran auszurichten.  

Marketing und Vertrieb sind ein weitere Felder, die stark von der Digitalisierung profitieren können. Durch neue Kontaktpunkte entlang der Customer Journey wie Social Media, Web- und Mobilplattformen wird nicht nur die Zahl der Kundeninteraktionen erhöht, vielmehr helfen sie beim Sammeln wertvoller Nutzerdaten.

Laut einer Google-Studie kann es dabei entlang der Customer Journey bis zum Autokauf zu mehr als 900 digitalen Interaktionen mit dem Unternehmen kommen. Das sind mehr als 900 Gelegenheiten, mehr über den Kunden zu erfahren. In der Folge kann dieser gezielter gemäß den persönlichen Vorlieben angesprochen und die Markenbindung gefestigt werden. 

Neben der Kostenersparnis ist das ein wichtiger Grund für die Hersteller den Direktvertrieb auszubauen, wodurch der Handel unter Druck gerät. Zusätzlich gerät selbst das Händlermonopol der Probefahrt durch die Möglichkeiten virtueller Probefahrten ins Wanken. Wollen Händler nicht obsolet werden, müssen sie selbst auf die Vielzahl der digitalen Touchpoints setzen und die Online- mit der Offline-Welt verknüpfen. Der Showroom muss zu einem Raum des physischen und digitalen Erlebnisses werden. Die online aggregierten Kundendaten helfen dabei, das Beratungsgespräch optimal an den Bedürfnissen auszurichten und so am realen Fahrzeug vor Ort und beim Kunden die richtigen Knöpfe zu drücken. 

 

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Connected Cars

Im Prinzip gibt es seit 2018 europaweit eine Connected-Car-Pflicht. Seither müssen alle Neufahrzeuge mit E-Call, einem automatisierten Notrufsystem, ausgestattete sein. Im Falle eines Unfalls übermittelt das System automatisch für die Rettung relevante Daten wie Unfallort, Art der Auslösung, Anzahl der Insassen und Ähnliches. Ein Mittelklassenfahrzeug verfügt zusätzlich über schätzungsweise 7000 Datenpunkte an diversen Steuergeräten. Diese können permanent Informationen über Position, Geschwindigkeit, Kraftstoffverbrauch, Fahrzeugzustand und Verschleiß übermitteln sowie Daten von außen empfangen. Hersteller können auf diese Weise den Autofahrer über das Display des Infotainmentsystems auf eine notwendige Wartung aufmerksam machen und ihn mittels Navigationsgerät zur nächsten Vertragswerkstatt lotsen. Außerdem erfahren Hersteller durch die Vernetzung wichtige Informationen über das Nutzerverhalten: Wie häufig wird das Fahrzeug gefahren, wie lang dauert eine typische Fahrt, welche Strecke wird dabei zurückgelegt uvm.  Das Connected Car wird so zum zusätzlichen Touchpoint, der hilft die Kundenkommunikation zu optimieren. 

Der Fahrzeugnutzer kann sich durch Connected-Car-Technologien zusätzliche Komfortfunktionen – wie Kartenupdates, Netflix-Abonnements oder Sprachsteuerung – freischalten lassen. Zudem ermöglicht die Connectivity ähnlich wie bei Smartphones Over-the-Air-Updates. So können Sicherheitslücken an Steuergeräten geschlossen werden oder das Infotainmentsystem auf die neueste Version aktualisiert werden. Zudem sind dadurch schon heute gekaufte Fahrzeuge dafür gerüstet, in Zukunft durch Software-Updates autonom zu fahren.

 

Mobility as a Service

Dass die Anzahl der genutzten Fahrzeuge in 5 Jahren in Europa einen Höhepunkt erreichen wird, liegt auch an neuen Geschäftsmodellen, die ohne Connected-Car-Technologien nicht möglich wären. Durch Mobility as a Service (MaaS) werden nicht länger Fahrzeuge verkauft, sondern Mobilität als Dienstleistung angeboten.

Neben Taxis und dem öffentlichen Nahverkehr schafft die Digitalisierung dabei die Grundlage für ganz neue Geschäftsmodelle, allen voran das free-floating Carsharing. Gemäß dem Motto: Disruptier dich selbst, ehe es ein anderer macht, sind schon diverse Hersteller in den Markt eingestiegen. Über das Smartphone kann der Nutzer ein Fahrzeug finden, erhält Informationen über den Tankfüllstand, kann das Navigationssystem vorprogrammieren, das passende Mietmodell auswählen und das Gefährt schließlich öffnen und schließen.

Ein andere, ebenfalls auch von Herstellern angebotene Mobilitätsdienstleistung ist das Ride Pooling, eine Art Linienbus mit flexiblen Haltestellen. Über eine App wird ein Beförderungswunsch mitgeteilt, der mittels eines Algorithmus in Sekundenschnelle zu gemeinsamen Fahrten mit anderen Interessierten gebündelt wird. Im Vergleich zum Taxi entsteht so eine bessere Fahrzeugauslastung, die Umwelt und Geldbeutel schont. Im Gegenzug muss ein kleiner Umweg in Kauf genommen werden. 

 

Rüsten für die digitale Revolution

Sobald das autonome Fahren Realität geworden ist, erfahren Carsharing und Ride Pooling ein Upgrade zu selbstfahrenden Robotertaxis. „Wir brauchen eine starke Investition in 5G“, nennt Markus Duesmann eine wichtige Voraussetzung auf dem Weg dorthin. Zumindest der gefühlte Technologieführer ist derzeit Tesla. „Das Auto ist für die eher eine digitale Plattform“, erläutert der Audi-Chef einen für die traditionellen Autobauer ganz neuen Ansatz. In Zukunft wird man selbst genau diesen Ansatz bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge verfolgen und entsprechend mit Siebenmeilenstiefeln aufholen. Die Entwicklung kann dadurch agil vorangetrieben werden; Innovationszyklen verkürzen sich. 

Agile Zusammenarbeit findet dabei auch mit neuen Partnern statt, die jeweils ihre Expertise zu einem Entwicklungsbaustein beitragen. Dazu gehören Partnerschaften mit großen Software-Unternehmen, mit Start-ups und mit eigentlichen Konkurrenten aus der Autoindustrie. Selbst vor Tesla schreckt man dabei nicht zurück. 

 

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Die Zukunft kommt

Mobilität wird bequemer, nachhaltiger und viel, viel weniger stressig sein“, blickt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in die Zukunft. Das Auto zum Teil eines multi-modalen Verkehrskonzepts, wobei ein Smart-Device darüber informiert mit welchen Verkehrsmitteln man am schnellsten und ökologischsten von A nach B kommt. Statt wie bislang mit 2 Sitzen vorne, 2 Sitzen hinten und Blickrichtung in Fahrtrichtung könnte das Auto wie ein Abteil konzipiert sein, bei dem man sich gegenübersitzt und bequem unterhalten kann. Durch das hochautomatisierte Fahren, ergänzt Duesmann, werde man sich „ganz entspannt mit relativ wenig Abstand zwischen den Autos – weil die Autos miteinander reden – unfallfrei zwischen München und Hamburg bewegen können. Dabei werden geringe Verbräuche der Fall sein und man wird dabei lesen können.“ Vielleicht wird diese Vision noch nicht 2025 oder 2030 Realität, doch die Digitalisierung in der Automobilindustrie ebnet den Weg – nicht nur für Audi und Tesla, die gesamte Branche bereitet sich darauf vor.