Hochmotivierte, überschaubare Teams, agile Strukturen und flache Hierarchien – in jungen Unternehmen weht oft ein anderer Wind. Die viel beschworene „Start-up-Kultur“ ist ein wichtiger Erfolgsfaktor in der Gründungsphase, doch wie verträgt sie sich mit Wachstum und Weiterentwicklung? Das ist Thema der Conference Session „Employee Experience, Culture und Leadership als Wachstumsfaktoren im Start-up“, die im Rahmen unseres Growth Camps am 22. Mai in Berlin stattfindet. Und mit Henrik Piroth kommt hier einer zu Wort, der es wissen muss. Das erste eigene Unternehmen gründet der Jungunternehmer mit 14, sein Abitur hat er mit 16 in der Tasche, den ersten Verkauf eines eigenen Start-ups kann er mit 19 verbuchen. Mit Unternehmensgründung, Start-up-Kultur und den Tücken des Wachstums kennt sich der 21-Jährige also bestens aus – mit allen Höhen und Tiefen.

Die Erfahrungen dieser Anfangsjahre helfen Henrik auch bei seiner neuesten Aufgabe. Seit 2018 leitet er gemeinsam mit Gründerin Therese Köhler die Geschäfte bei heycater!. Das Start-up vergleicht online verschiedene Catering-Anbieter und hilft vor allem Geschäftskunden, das richtige Angebot zu finden. Nachdem das 2015 gegründete Unternehmen zuletzt turbulente Zeiten durchlebte und einen Teil der Unternehmensführung verlor, schaffte das Duo nun den Turnaround. Wie das gelang, und was Henrik dabei über Erfolg und Wachstum gelernt hat, verriet er uns im Interview.

Mit dem Start-up heycater! wendet Ihr Euch gezielt an die Catering-Bedürfnisse von Unternehmen. Wie unterscheiden sich der B2B- und der B2C-Markt, und worauf müsst Ihr besonders achten?

Der größte Unterschied liegt darin, wie und in welcher Frequenz Catering geordert wird. Während ein Privatkunde sich womöglich nur jede Dekade zum runden Geburtstag ein professionelles Catering gönnt, haben viele Business-Kunden wöchentlich oder sogar täglich Catering-Bedarf. Das bringt auch ein besonderes Bedürfnis nach Beratung und Zuverlässigkeit mit sich. Um jedem Kunden das perfekte Produkt anbieten zu können, müssen wir unser Portfolio daher sehr gut selektieren und in fachkundige Berater investieren.Ihr arbeitet dazu auch mit vielen etablierten Unternehmen zusammen. Die Unternehmens- und Leadership-Kultur ist hier oft sehr anders als in Start-ups. Kann eine Kooperation trotzdem funktionieren?

Diese Unterschiede gibt es, ja. Ich merke zwar auch bei uns schon, wie schwer es sein kann, bestehende Prozesse zu verändern. Verglichen mit großen Unternehmen sind wir aber trotzdem wahnsinnig agil. Wir können relativ schnell unser Produkt weiterentwickeln oder neue Geschäftsfelder erschließen. Außerdem legen wir Wert auf neueste Technologien und arbeiten schon weiter in der Zukunft als so manches etablierte Unternehmen. Kooperationen mit Start-ups können für die Großen daher sehr attraktiv sein, auch wenn viele Führungskräfte noch davor zurückschrecken. Da muss sich ein Schalter im Kopf umlegen, glaube ich.

Und was sind die Vorteile für Start-ups?

Die Reichweite und das Netzwerk, das etablierte Unternehmen mitbringen, kann für junge Start-ups ein großes Sprungbrett sein. Allerdings hört sich das in der Theorie oft schöner an, als es in der Praxis ist. Synergien bestehen nur dann, wenn sie auch genutzt werden. Das erfordert viel Einsatz von beiden Seiten.

Wenn Du als Gründer einen Wunsch frei hättest – welcher wäre das?

Etwas mehr Zeit. Für Freunde, Sport, Reisen, neue Ideen, und auch für mich selbst. Ich bin zwar gerne beschäftigt, aber man macht als Gründer natürlich Abstriche beim Punkt Freizeit. Ob ich diese Zeit dann tatsächlich für Privates nutzen würde, weiß ich aber nicht (lacht).

Beim Growth Camp haben wir die FuckupNights zu Gast. Scheitern ist für viele Start-ups eine große Angst. Bist Du schon einmal richtig gescheitert, und was hast Du daraus gelernt?

Ich scheitere ständig. Ich bin grundsätzlich davon überzeugt, dass ich alles hinbekomme, lege dann sofort los, fliege auf die Schnauze, lerne wie es richtig geht. Dieser Prozess macht mir viel Spaß und treibt mich an. Meistens funktioniert es am Ende dann auch irgendwie, oder eben nicht immer.

Ein Beispiel ist mein Start-up 15punkte. Das war eine Online-Plattform für Nachhilfe, die ich noch während der Schulzeit gegründet hatte. Nicht nur habe ich für die Entwicklung das ganze Geld verbraten, dass ich mir mit einer anderen Firma verdient hatte. Damit es weitergehen konnte, habe ich auch allen Entwicklern ein paar Anteile übertragen. Als ich mich dann auf die Suche nach Investoren machte, war der Cap Table so verworren, dass niemand mehr investieren wollte – trotz toller KPIs.

Auch heycater! war am Tiefpunkt, als Therese und ich uns kennengelernt haben. Aber gemeinsam haben wir die Firma wieder auf den richtigen Kurs gebracht. Anderen Gründern kann ich daher nur mit auf den Weg geben: Zweifelt nicht zu viel und vertraut darauf, dass alles seine Richtigkeit hat. Wer eine großartige Firma aufbauen möchte, der wird früher oder später zwangsläufig unangenehme Situationen meistern müssen. Entscheidend ist, wie man dann weitermacht.

Mitmachen und mehr erfahren

Du willst persönlich mit Henrik ins Gespräch kommen oder Dich mit anderen Gründern austauschen? Dann komm zu unserem Salesforce Growth Camp, am 22. Mai im Glashaus in der Arena Berlin. Ein besonderer Bonus: Alle Teilnehmer bekommen zusätzlich Zutritt zum Salesforce Basecamp in der Hauptstadt. Hier kannst Du Dich anmelden: https://www.salesforce.com/de/form/event/berlin/register