Digitale Revolution: Ein Schachspiel?

Um zu verstehen, wo wir heute, im Juli 2015, in Sachen Digitalisierung stehen, hilft die Geschichte der Erfindung des Schachspiels. Diese geht zurück auf eine Zeit im dritten oder vierten Jahrhundert n. Chr.  und führt uns nach Indien.

Kleine Belohnung?

Unter dem Kaiser Sheram forderte der Brahmane Sissa, der angeblich das Spiel der Könige erfand, eine Belohnung dafür. Dabei gab sich der Erfinder nur vordergründig bescheiden. Er wollte ein Reiskorn (manche sprechen auch von einem Weizenkorn) für das erste von 64 Feldern auf dem Brett, für das zweite die doppelte Menge, also zwei Reiskörner, für das dritte wieder das Doppelte, also vier Reiskörner usw.

Der Kaiser, mathematisch offensichtlich unerfahren, ging lachend auf den Vorschlag ein. Als nun drei Tage später Sissa wiederkam und seine Belohnung verlangte, waren die königlichen Zähler immer noch mit der Rechnung beschäftigt.

Unzählbare Menge!

Wer in der Schule gut aufgepasst hat, weiß, dass wir beim 32. Feld bereits mit einer Zahl von über zwei Milliarden Reiskörnern rechnen müssen – eine noch einigermaßen nachvollziehbare Menge, die in etwa dem Jahresertrag eines durchschnittlichen Reisfeldes im heutigen China entspricht.

Erst in der zweiten Hälfte des Schachbretts wird es „unübersichtlich“: auf dem 64. Feld bekommt man einen Reisberg höher als der Mount Everest und die Reiskornmenge ist mehr als die Menschheit jemals an Reis produzierte – unglaublich.

Was hat das mit Digitalisierung zu tun?

Die Brücke von der Legende der Erfindung des Schachspiels zur Digitalisierung schlägt ein gewisser Herr Moore, besser bekannt durch sein Gesetz: Das Mooresche Gesetz besagt, dass sich IT-Kapazitäten, also die Grundlage der digitalen Revolution, durchschnittlich alle 18 Monate verdoppeln. Diese Verdoppelung kommt einem vom Schachgleichnis doch gleich bekannt vor.

IT-Kapazitäten wurden zum ersten Mal 1956 erfasst. Wenn man nun eine Verdopplung alle 18 Monate ansetzt und die Hälfte des Schachbretts bis auf Feld 32 vorgeht, landet man nach circa 48 Jahren im Jahre 2004/2005.

Digitalisierung aktuell in der zweiten Schachbretthälfte

Bei der Hälfte des Schachbretts ist alles noch einigermaßen greifbar. Führen wir uns aber vor Augen, was in den letzten zehn Jahren geschah: Das iPhone kam auf den Markt, Social Media wie Facebook und Twitter entstanden, 3D-Drucker werden immer selbstverständlicher, ebenso wie Wearables, Augmented Reality, etc. . Kaum zu glauben, wie sehr diese Dinge unser Leben jetzt schon verändern – und wir sind zurzeit erst auf Feld 38 oder 39.

Das bedeutet: Die restlichen circa 25 Schachbrettfelder, die noch vor uns liegen, werden eine Exponentialität mit sich bringen, die wir uns überhaupt nicht vorstellen können. Die Digitalisierung wird regelrecht explodieren, manche sprechen von digitalem Darwinismus oder der Dematerialisierung der Welt.

Was tun?

Wir können nur das Beste daraus machen, nämlich die unendlichen Geschäftschancen, die sich daraus ergeben, optimal nutzen. Wehren wir uns dagegen, droht unserem Business ein ähnliches Schicksal wie dem Schach-Erfinder: Darf man der Legende glauben, hatte Schacherfinder Sissa kein Glück – als sein Kaiser begriff, was er zur Belohnung forderte, wurde er geköpft.